Kleine und mittlere Unternehmen darunter Restaurants suchen über die Plattform Compeon nach Finanzierungen (Bild: Joanna Boj/Unsplash).

Paukenschlag bei digitalen KMU-Krediten: Compeon wird übernommen

Exklusiv: Das Münchner Fintech Dock Financial kauft die Kreditplattform Compeon, schon im August stieg das Fintech ein. Beide Unternehmen sprechen dieselbe Klientel an.

Die Konsolidierung im Markt für digitale Kredite von kleinen und mittleren Unternehmen schreitet voran. So wird nach exklusiven Informationen von Finanz-Szene und Finance Forward nun auch die Düsseldorfer Finanzierungs-Plattform Compeon verkauft – also jenes Fintech, das mit einem vermittelten Kreditvolumen von zuletzt 700 Millionen Euro als Marktführer hierzulande gilt.

Der Schritt als solcher kommt nicht überraschend, schließlich hat in dem Geschäftsfeld bislang noch kein Startup eine wirklich kritische Größe erreicht (Lendico verkaufte sich 2018 an die ING Diba, 2020 gab die hiesige Funding-Circle-Tochter auf, Anfang letzten Jahres wurde Fincompare von den Volksbanken geschluckt, Creditshelf verpasste seine Ziele zuletzt deutlich – und der französische Anbieter October hat kürzlich sein deutsche Neugeschäft einstellt.).

Kein Bank oder Finanzinvestor als Käufer

Was aber sehr wohl überrascht, das ist der Name des Käufers. Bei dem nämlich handelt es sich weder um eine Bank noch um einen Konkurrenten noch um einen Finanzinvestor. Sondern: Käuferin ist die Münchner „Banking as a Service“-Plattform Dock Financial, die beispielsweise Kreditkarten für Unternehmen anbietet. Schon im August stieg Dock Financial mit gut 10 Prozent bei Compeon ein, damals war eine Vertriebskooperation geplant, weil beide Unternehmen dieselbe Klientel ansprechen.

Dass hieraus nun eine Vollübernahme wird, deutet darauf hin, dass das schwierige Konjunktur- und Zinsumfeld (manche Mittelständler dürften bei der Aufnahme von Investitionskrediten zuletzt eher vorsichtig gewesen sein) auch an Compeon nicht spurlos vorbeigeht. Tatsächlich bestätigte Dock-Financial-CEO Marko Wenthin gegenüber Finanz-Szene einen Abschwung im zweiten Halbjahr. Der allerdings sei nur „vorübergehender Natur“, das Kerngeschäft mit der automatisierten Vermittlung etwa von Betriebsmittelkrediten weiterhin intakt. Er gehe daher davon aus, dass Compeon „binnen einiger Monate profitabel sein wird“, so Wenthin.

Zum Kaufpreis machte der frühere Penta-Chef keine Angaben. Dass die verkaufenden VC-Investoren (darunter Tengelmann Ventures und DvH Ventures) die 50-Millionen-Euro-Bewertung aus 2020 verteidigt haben, muss allerdings bezweifelt werden. Die drei Compeon-Gründer Nico Peters, Kai Böringschulte und Frank Wüller bleiben als Manager an Bord.

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