Jörg von Minckwitz (Foto: Bitwala)

Bitwala vor dem Start: „Wir streben mittelfristig unsere eigene deutsche Vollbanklizenz an“

Bitwala will noch in diesem November das „erste deutsche Blockchain-Konto“ auf den Markt bringen. Im Gespräch mit FinanceFWD erklärt Mitgründer Jörg von Minckwitz wie sich Bitwala von anderen Krypto-Börsen unterscheidet, was er aus Fehlern anderer Fintechs gelernt hat und warum die Volatilität des Bitcoin-Kurses ganz normal ist.

FinanceFWD: Jörg, Bitwala wird bald das erste deutsche Blockchain Bankkonto anbieten. Was unterscheidet euch sonst noch von traditionellen Banken?

Jörg von Minckwitz: Wir sind traditionellen Banken einen Schritt voraus, da wir eine Brücke zwischen der Welt des traditionellen Bankings und der Blockchain-Technologie schaffen. Ein weiterer Unterschied zu herkömmlichen Banken ist, dass wir bei der Entwicklung den Schwerpunkt auf Online-Banking und ein mobiles Nutzererlebnis gelegt haben. Ach ja, übrigens verlangen wir im Gegensatz zu anderen Banken keine Kontoführungsgebühren. Nur der Umtausch kostet je ein Prozent, was im Marktvergleich sehr günstig ist. Ansonsten wollen wir uns eher von den Krypto-Börsen und gar nicht so sehr von den Banken unterscheiden. Im Vergleich zu einer Krypto-Börse finden Kunden bei Bitwala die Möglichkeit, Bitcoin und Euro in einer Maske zu tauschen, verfügen über sofortige Liquidität und deutsche Rechtssicherheit, die Banken nur hierzulande bieten: Euro-Einlagen sind bis 100.000 Euro abgesichert, sichergestellt durch die Banklizenz der solarisBank, mit der wir kooperieren.

FinanceFWD: Wie wird sich der Markt für Blockchain-Anwendungen in Deutschland entwickeln?

Jörg von Minckwitz: Deutschland als Export-Champion und Land mit bestens ausgebildeten Arbeitnehmern hat hier viel zu gewinnen. Es gibt auch schon erste Ansätze einer Blockchain-Ökonomie, aber andere Länder – etwa Frankreich – sind uns einen Schritt voraus. Der deutsche Markt ist aktuell von rechtlicher Unsicherheit gekennzeichnet. Wir setzen uns dafür ein, dass Krypto-Assets besser und europaweit einheitlich reguliert werden. Derzeit hat jedes EU-Land seine eigenen Vorstellungen, was gegenseitig Nachteile bringt.

FinanceFWD: Knapp 35.000 Interessenten haben sich laut Euren Angaben bereits bei euch für das neue Konto registriert. Wie lange wird es dauern, bis all diese Konten eröffnet sind?

Jörg von Minckwitz: Sobald das Blockchain-Konto im November freigeschaltet wird, wollen wir sie alle vollständig registrieren und schnellstmöglich anschließen. Wir sind darauf vorbereitet, aber da steht uns eine Herkulesaufgabe bevor, weil alle Kunden einen Identifizierungsprozess durchlaufen müssen. Je früher man sich auf unserer Webseite anmeldet, desto schneller kommt man dran.

FinanceFWD: Und ab wann können die Kunden die ersten Transaktionen abwickeln?

Jörg von Minckwitz: Sobald sie für ihr Konto vollständig registriert und freigeschaltet sind.

FinanceFWD: Welche Rolle spielt die Partnerschaft mit der solarisBank für eure Entwicklung?

Jörg von Minckwitz: Die solarisBank nennt sich selbst Tech-Plattform mit Banklizenz. Wir nutzen ihre regulatorischen Stärken im Bankgeschäft, sie ist das kontoführende Institut. Technisch greifen wir mit unseren Anforderungen per gesicherter Schnittstelle auf die automatisierten Services der Plattform zu. Damit ist die solarisBank natürlich für uns ein wichtiger Partner.

FinanceFWD: Strebt ihr perspektivisch auch eine Banklizenz an?

Jörg von Minckwitz: Ja, wir streben mittelfristig unsere eigene deutsche Vollbanklizenz an.

FinanceFWD: Was habt ihr aus den Pannen gelernt, die anderen Fintechs – wie zum Beispiel N26 – passiert sind?

Jörg von Minckwitz: Wir arbeiten mit starken Partnern zusammen und nutzen deren Know-how. Das Thema Identifizierung machen wir – wie viele andere bekannte Banken auch – nicht selbst, sondern haben es an eine spezialisierte Firma ausgelagert, die das nach strengsten deutschen Regeln abwickelt. So sind wir schneller und auf der sicheren Seite.

FinanceFWD: Wie umfangreich ist der Service, den ihr euren Kunden anbieten wollt?

Jörg von Minckwitz: Zunächst einmal ist es wichtig, dass wir sogenanntes „beratungsfreies Geschäft“ machen, also keine Tipps geben. Für alles andere bauen wir einen Kundensupport auf. Einsteigern kann ich unsere Krypto-Akademie auf der Webseite empfehlen.

FinanceFWD: Welche Herausforderungen seht ihr für Blockchain-Anwendungen allgemein?

Jörg von Minckwitz: Krypto-Währungen kommen immer mehr im Mainstream an. Viele traditionelle Finanzdienstleister, Politik und Regulierung tasten sich langsam an das Thema ran. Die meisten haben aber noch nicht verstanden, dass Blockchain ein Game Changer sein wird – wie es in den Neunziger Jahren das Internet war –, sobald man die Risiken beherrscht. Wir klären deswegen immer wieder Menschen darüber auf, auch in der Politik, dass wir auf eine Zukunft zusteuern, in der man die Vorteile von Krypto-Währungen und die Vorteile von staatlich-gedeckten Währungen wie dem Euro beide nutzen wird. Die Volatilität etwa des Bitcoin-Kurses ist nichts Ungewöhnliches für eine so junge Idee. Mit zunehmender Verbreitung und Größe des Systems schwindet diese.

FinanceFWD: Wie wollt ihr mit Bitwala weiter wachsen?

Jörg von Minckwitz: Wir wollen zunächst unser Team weiter verstärken, um nach erfolgreichem Produktstart die Vermarktungsaktivitäten erheblich auszuweiten. Wir planen baldmöglichst weitere Krypto-Währungen in das Angebot aufzunehmen. Schon 2019 wollen wir auch B2C-Kunden ein Angebot für ein Bankkonto mit Zugang zu Krypto-Währungen ermöglichen. Bitwalas Internationalisierung ist ebenfalls für 2019 mit der Erschließung eines ersten europäischen Nachbarmarkts geplant. Nicht zuletzt steht die strategische Weiterentwicklung des Geschäftsmodells durch das Erarbeiten einer eigenen Banklizenz auf der Roadmap.