Warum Fondsmanager Jan Beckers keine Gründe für eine KI-Blase sieht
Partner-Podcast: Jan Beckers gibt Einblicke in seine Investment-Strategie. Monatlich erscheint der Beckers-Bets-Podcast bei Finance Forward. In dieser Folge spricht Beckers über den KI-Hype und darüber, welche Tech-Unternehmen aus zweiter Reihe er aktuell für vielversprechend hält.
Kaum ein Thema spaltet Tech-Anleger derzeit so sehr wie die Frage, ob der KI-Boom schon zur Blase geworden ist – oder ob das große Wachstum erst beginnt. Die Kurse vieler Tech-Aktien sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen, die Investitionen in Chips und Rechenzentren explodieren, doch Schlagzeilen und Umfragen nähren die Sorge, ob wir vor dem Platzen einer KI-Blase stehen. Fondsmanager Jan Beckers hält diese Angst für überzogen.
„Die Diskussion, ob wir in einer Blase sind oder nicht, führen wir seit 18 Monaten“, warnt Beckers in der neuen Folge des Podcasts Beckers Bets. „Ich halte es für einen Fehler, diesem Narrativ zu folgen. Wer die KI-Upside jetzt verpasst, riskiert, bei einem der größten Technologiewechsel der kommenden 15 Jahre nicht dabei zu sein.“
Der Investor argumentiert, die Fundamentaldaten sprächen klar gegen die These einer Blase. Zwar seien die Investitionsausgaben der großen Tech-Konzerne enorm, doch die Investitionen in Chips und Rechenzentren würden sich zunehmend auszahlen. Besonders bei Alphabet sehe man, dass sich die neuen Cloud-Kapazitäten sofort vermarkten lassen. „Alles, was Google an neuer Cloud-Kapazität bringt, wird ihnen aus den Händen gerissen. Da ist nicht die Nachfrage das Problem, sondern das Angebot“, sagt er.
Auch bei Meta sei das Bild aus seiner Sicht nachvollziehbar: „Zuckerberg will vorbereitet sein, wenn Superintelligence kommt. Das kann sich im großen Stil auszahlen.“ Die hohen Investitionen seien also weniger ein Zeichen von Übermut als eine Wette auf den nächsten Entwicklungssprung der Technologie. Nach den jüngsten Quartalszahlen kam Meta allerdings stark unter Druck, weil die Investitionen des Konzerns in die Höhe schießen.
Bei hohen Bewertungen im Tech-Bereich fühlen sich viele Investoren an die Jahrtausendwende erinnert. Doch einen Vergleich mit der Dotcom-Blase lehnt Beckers entschieden ab. „Damals gab es viel Fantasie, aber kaum Umsatz. Heute entstehen bei KI in kürzester Zeit substanzielle Geschäftsmodelle – mit echten Umsätzen und Nutzern“, sagt er. OpenAI habe in nur zweieinhalb Jahren eine Milliarde Nutzer erreicht, während das Internet dafür mehr als zehn Jahre gebraucht habe. Auch die Bewertungen seien weit von den Exzessen der frühen 2000er entfernt. Der Nasdaq notiere aktuell bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 28 – damals lag der Wert bei fast dem Dreifachen.
Und trotzdem: der Markt bleibt nicht ohne Risiko. Beckers warnt allerdings davor, kurzfristige Rücksetzer überzubewerten. „Sell-offs kommen und gehen“, sagt er. „Aber wer bei jedem Rücksetzer verkauft, wird die eigentliche Rendite verpassen.“ Anleger sollten seiner Meinung nach weniger auf das perfekte Timing hoffen, sondern „in längeren Zyklen denken“. Für ihn steht fest: „Wir sind eher im Jahr 1997 des KI-Zyklus – nicht 2000.“
Während sich viele Investoren auf die großen Namen wie Nvidia, Microsoft oder Amazon konzentrieren, richtet Beckers den Blick auch auf die zweite und dritte Reihe. Besonders Unternehmen wie Snowflake oder Datadog könnten stark profitieren, weil sie mit ihren Lösungen die Basis schaffen, um KI in klassischen Unternehmen nutzbar zu machen. „Das sind die Enabler“, sagt Beckers. „Sie spielen im Hintergrund, aber ihre Rolle wird immer größer.“ Es geht beispielsweise darum, dass eine Software prüft, was die KI in den Systemen der Unternehmen macht.
Beckers bleibt also optimistisch, doch was wären für ihn Anzeichen, das eine echte Blase erreicht wäre? Für ihn erst dann, wenn sich die Bewertungen völlig vom realistischen Wachstum abkoppeln. „Davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt“, betont er.
Sein Fazit fällt eindeutig aus: Einen großen KI-Winter sieht Beckers nicht kommen. Im Gegenteil – für ihn hat der strukturelle Aufschwung gerade erst begonnen. „Wer jetzt an der Seitenlinie steht, läuft Gefahr, das nächste große Technologiekapitel zu verpassen“, sagt er. Und das wäre aus seiner Sicht das eigentliche Risiko am Markt.
Welche Gründe gegen eine KI-Blase sprechen, diskutiert Jan Beckers in der neuen Folge von Beckers Bets.
In der aktuellen Beckers-Bets-Folge sprechen Jan Beckers und Christoph Damm über …
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… die Investmentidee passiv in die Mag 7 zu investieren.