Schluss mit „Lazy Cash“: Wie der deutsche Mittelstand Milliarden an versteckter Liquidität freisetzen kann
In Zeiten, in denen externes Kapital teuer und Märkte volatil sind, liegt der größte Wachstumshebel oft nicht außerhalb, sondern tief im Inneren des eigenen Unternehmens verborgen. Treasury entwickelt sich von der reinen Verwaltung zur strategischen Schaltzentrale für Profitabilität – vorausgesetzt, man befreit sich von veralteten Strukturen.
Der Trugschluss vom teuren Geld
Deutschland steckt in einer wirtschaftlichen Zwickmühle. Rezessionsängste, volatile Energiepreise und ein Zinsumfeld, das Investitionen verteuert, lassen den Spielraum für Wachstum schrumpfen. Der reflexartige Blick vieler Mittelständler richtet sich auf Banken: Wie bekommen wir günstigere Kreditlinien? Doch diese Frage ist falsch gestellt.
Das eigentliche Problem ist nicht fehlendes Kapital, sondern ineffizient geparktes Kapital. Wir nennen es „Lazy Cash“. Es sind Milliardenbeträge, die auf unzähligen Unterkonten bei fünf oder mehr Banken schlummern, in veralteten Excel-Tabellen unsichtbar bleiben und somit weder Zinsen erwirtschaften noch operativ genutzt werden können.
Warum das herkömmliche Cash-Management scheitert
Dass der deutsche Mittelstand in Sachen Digitalisierung Aufholbedarf hat, ist keine neue Erkenntnis. Doch im Treasury schmerzt dieser Rückstand besonders akut. Die Realität in vielen Finanzabteilungen gleicht einem Flickenteppich:
- Silo-Struktur statt Transparenz: Liquidität ist oft über diverse Tochtergesellschaften und lokale Bankverbindungen verstreut. Bis sich ein CFO einen Gesamtüberblick verschafft hat, sind die Daten aus den CSV-Exporten schon wieder veraltet. Transparenz entsteht meist erst Tage später – zu spät für agile Entscheidungen.
- Reaktive Planung: Wer seine Liquidität manuell in Tabellenkalkulationen zusammenführt, verwaltet die Vergangenheit, statt die Zukunft zu steuern. Entscheidungen basieren auf dem Kontostand von gestern, nicht auf dem Cashflow von morgen.
- Die Ressourcen-Falle: Der Fachkräftemangel trifft auch die Buchhaltung. Wenn hochqualifizierte Finanzexperten Stunden damit verbringen, sich in Banking-Portale einzuloggen und Daten zu kopieren, bleibt keine Zeit für strategische Planung. Manuelle Prozesse blockieren Innovation.
Der „Liquiditäts-Schock“: Ein teures strukturelles Problem
Das Ausmaß dieser Ineffizienz ist gewaltig. Eine umfassende Analyse von PwC zum Working Capital Management legte bereits vor der aktuellen Hochzinsphase ein strukturelles Defizit offen: Allein in den untersuchten DACH-Unternehmen könnten bis zu 75 Milliarden Euro an Liquidität freigesetzt werden, wenn das Working Capital optimiert würde.
Besonders alarmierend für den Mittelstand: Während Großkonzerne ihre Prozesse bereits gestrafft haben (Net Working Capital Reichweite von ca. 50 Tagen), hinken kleine und mittelgroße Unternehmen mit durchschnittlich 83 Tagen deutlich hinterher.
Was 2019 noch als Warnung vor „steigenden Finanzierungskosten“ im Raum stand, ist heute harte Realität. In der Nullzinsphase war „Lazy Cash“ nur eine verpasste Chance. Im heutigen Zinsumfeld ist es ein direkter Verlust. Die Optimierung der Innenfinanzierung ist nicht mehr nur eine Option – sie ist die günstigste und sicherste Finanzierungsquelle, die ein Unternehmen hat. Die Studie zeigt: Die theoretisch freisetzbare Liquidität könnte ausreichen, um über 60 % des Investitionsvolumens zu decken, ohne dass ein einziger Euro extern geliehen werden muss.
Der Gamechanger: KI als „Chief Liquidity Officer“
Wie aber hebt man diesen Schatz, wenn die Personaldecke dünn und die Bankenlandschaft fragmentiert ist? Die Antwort liegt in der Technologie. Moderne Treasury-Management-Systeme wie Embat agieren nicht mehr nur als Datenbank, sondern nutzen Künstliche Intelligenz, um echte Wertschöpfung zu betreiben.
KI verändert die Spielregeln in drei entscheidenden Bereichen:
- Echtzeit-Transparenz ohne Login-Marathon: Statt manueller Abfragen aggregieren API-gestützte Systeme Bankdaten in Echtzeit. Muster, die im Excel-Chaos untergehen – etwa ineffiziente Währungskonvertierungen oder unnötig hohe Puffer auf unverzinsten Konten –, werden sofort sichtbar.
- Prädiktive Analysen statt Bauchgefühl: KI kann historische Zahlungsmuster von Kunden analysieren. Statt zu raten, wann eine Forderung beglichen wird, berechnet das System Wahrscheinlichkeiten. Das macht den Cashflow planbar und reduziert das notwendige Sicherheits-Polster.
- Automatisierte Allokation: Das System wird zum proaktiven Berater. Es kann Vorschläge zur Umschichtung von Geldern machen, um Zinsvorteile bei Geldmarktfonds zu nutzen oder teure Überziehungskredite zu vermeiden, bevor sie entstehen.
Treasury als strategischer Wettbewerbsvorteil
Die Einführung solcher Technologien ist kein reines IT-Projekt zur Effizienzsteigerung. Es ist eine strategische Neuausrichtung mit direktem Impact auf die Gewinn- und Verlustrechnung (P&L).
Wer seine Liquidität in Echtzeit kennt und steuert, gewinnt Resilienz. In einer Welt, in der Lieferketten brechen oder Energiepreise über Nacht spiken können, ist Liquidität der wichtigste Puffer.
Noch wichtiger ist jedoch die Investitionskraft. Wir stehen vor der gewaltigen Aufgabe der Dekarbonisierung und digitalen Transformation. „Hidden Liquidity“ freizusetzen bedeutet, diese Innovationen aus eigener Kraft finanzieren zu können.
Das Fazit für den deutschen Mittelstand ist klar: Das Geld für den nächsten Wachstumsschritt ist oft schon da – es liegt nur auf dem falschen Konto. Es ist Zeit, dem „Lazy Cash“ ein Ende zu setzen und Treasury als das zu nutzen, was es sein sollte: Ein Motor für Wachstum und Profitabilität.
Über Embat:
Embat ist eine europäische Fintech, die Finanzteams mittelständischer und großer Unternehmen ermöglicht, ihr Treasury-Management umfassend und in Echtzeit zu steuern. Die Lösung bietet einen effizienten Implementierungsprozess und innovative Cloud-Technologie, um sämtliche Prozesse im Zahlungs-, Inkasso- und Treasury-Management zu zentralisieren und eine umfassende Sicht auf Kassenbestände, Liquiditätspositionen und Verbindlichkeiten zu gewährleisten. Darüber hinaus ermöglicht Embat die automatische Überwachung von Treasury-Prognosen sowie die Automatisierung der Buchhaltung für Ein- und Auszahlungen sowie des Bankabgleichs. Dies führt zu einer Einsparung von bis zu 75 % der Zeit, die Finanzteams für diese Aufgaben aufwenden, und senkt die Betriebskosten erheblich.
Die Plattform wurde von zwei ehemaligen J.P. Morgan-Direktoren, Antonio Berga und Carlos Serrano, sowie dem ehemaligen CTO von Fintonic, Tomás Gil, gegründet und wird von einem interdisziplinären Team mit umfangreicher Erfahrung im Finanz- und Technologiesektor weiterentwickelt. Mehr Informationen unter www.embat.io.
Pressekontakt:
Lisa Caballero
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Magali Chapuis
magali.chapuis@embat.io