sofortpay-Gründer Dirk Rudolf

Nachgefragt bei sofortpay-Gründer Dirk Rudolf: So will man der Klarna-Tochter Konkurrenz machen

Im deutschen Payment-Markt ist noch Platz für einen neuen Player: Das glauben zumindest Dirk Rudolf und Stefan Krautkrämer und wollen mit „sofortpay“  etablierten Fintechs Konkurrenz machen. Wir haben bei den Gründern nachgefragt, was sie besser machen wollen als die Mitbewerber – und wie sie ihr Produkt am Markt platzieren wollen.

Die Geschichte ist schon kurios: Zwei ehemalige Top-Manager der Sofort GmbH schicken sich an, eine neue Instant-Payments-Lösung im deutschen Markt zu platzieren, die ebenfalls das „Sofort“ im Titel trägt. Wohlgemerkt: Stefan Krautkrämer war von 2011 bis 2014 sogar Chief Operating Officer der Klarna-Tochter, Dirk Rudolf von 2010 bis 2014 Chief Information Officer. Nun tauchte vor wenigen Tagen die Webseite von sofortpay ohne Ankündigung im Netz auf. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Aber wie kommt es, dass zwei Ex-Sofort-Manager eben jenem Unternehmen Konkurrenz machen wollen? „Wir sind schon sehr lange im Payment-Geschäft unterwegs und denken immer im Sinne unserer Kunden“, erklärt Rudolf gegenüber FinanceFWD. „Neben den Kontoinformationsdiensten entstand die Nachfrage auf Kundenseite, ob FinTecSystems nicht auch die Zahlungsinitiierung übernehmen kann. Das war der ursprüngliche Impuls zum Payment Service.“

„Die Strategie haben wir bereits Ende 2017 vorgestellt“

FinTecSystems hilft Banken seit 2014 bei der Vergabe von Krediten und sammelte bereits 2016 einen nicht näher genannten Millionenbetrag ein, unter anderem vom französischen VC Ventech und dem deutschen Littlerock. Das Startup analysiert die Onlinebanking-Daten von Kunden, damit die Banken daraus wiederum Schlüsse über die Kreditwürdigkeit eines Neukunden ziehen können. Das kommt offenbar gut an: Bislang konnte man schon die DKB, solarisbank oder die Santander gewinnen. Ein Fintech, mit dem Banken ausnahmsweise mal gerne partnern, so scheint es. Ende 2017 schloss man erfolgreich die zweite Finanzierungsrunde in Höhe von 4,5 Millionen Euro ab. Mit dem frischen Kapital will man aber nicht nur die Internationalisierung vorantreiben. „Wir haben in unserer letzten Finanzierungsrunde Ende 2017 bereits die Strategie, uns im Bereich Zahlungsauslösedienste zu positionieren, vorgestellt“, erklärt Rudolf. „Einen Teil der Mittel, die wir eingeworben haben, werden wir planmäßig auch für in diesen Bereich verwenden.“


Während etliche Fintech-Sparten noch ihre Daseinsberechtigung im Finanzsystem suchen, brummt der Payment-Sektor: PayPal zahlte zuletzt rund 2,3 Milliarden Dollar für iZettle, der britische  Online-Geldtransfer-Service TransferWise sammelte bislang insgesamt 396,4 Millionen Dollar ein – und PayPal-Konkurrent Adyen ist nach dem erfolgreichen Börsengang mit 17,4 Milliarden Euro bewertet. Gleichzeitig lässt sich eine Marktkonsolidierung beobachten: Die Großen bekommen immer mehr Geld und schlucken die Kleinen. Wieso tritt man jetzt mit einem Speedboot gegen die solche Dickschiffe an? „Wir sind überzeugt, dass Payment ein entscheidender Trust-Faktor im E-Commerce ist“, so Rudolf.

Whitelabel meets Plattform

„Daher kann der Händler bei sofortpay zum Beispiel seine eigene Bezahlmarke designen, indem er sein Bezahlformular individuell ans Corporate Design anpasst: das eigene Logo hinterlegen, Hintergrundbilder und Buttonfarbe anpassen und vieles mehr. Damit bekommt der Kunde den Eindruck, dass der gesamte Checkoutprozess im Layout des Anbieters stattfindet.“ Also nur White-Label? Nein. „Wir haben uns auch von den Möglichkeiten der Plattformökonomie inspirieren haben lassen: sofortpay haben wir als Plattform konzipiert, an die auch Mehrwertdienste (z.B. Forderungsmanagement) für den Händler angedockt werden können in Zukunft.“

Technisch soll die bereits verfügbare White-Label-Lösung die Basis für sofortpay liefern. Rudolf: „Es ist ein Direktüberweisungsverfahren zwischen zwei Konten, FinTecSystems übernimmt dabei die Zahlungsinitiierung. Entweder als White Label im Branding des Kunden (z.B. bei abracar und abrapay) oder unter der Marke sofortpay als weiteres Zahlungsmittel im Bezahlportfolio eines E-Commerce-Anbieters.“ Für einen nicht näher genannten „großen E-Commerce-Partner“ sei sofortpay als Zahlungsart auch schon im Einsatz. Man hätte eine „sehr gute Annahme von Kundenseite“ verzeichnet.

Wie die Sofort-Konkurrenz das wohl findet? Auf Anfrage von FinanceFWD bleibt die Sofort GmbH noch ein Statement schuldig. Allerdings geht es dem deutschen Payment-Riesen blendend: 2017 konnte man ein operatives Ergebnis von 34 Millionen Euro verbuchen. Bei einem Umsatz von 58 Mio. Euro eine beeindruckende Marge. Ob die sofortpay ein Stück vom offenbar üppigen Payment-Kuchen abbekommt, wird nicht zuletzt auch von Kooperationen mit großen E-Commerce-Partnern abhängen, die den Bezahldienst integrieren müssen. Für die Zukunft sieht sich Rudolf dennoch gut gerüstet: „Aktuell arbeiten knapp 40 Mitarbeiter bei FinTecSystems an unseren Kontoinformations- und Zahlungsauslösediensten. Ein paar Spezialisten konzentrieren sich ausschließlich auf den Ausbau und die Verbesserung unserer Zahlungsauslösedienste.“