Bonify hat kürzlich Teile von Joonko übernommen. (Bild: Christin Hume/Unsplash)

So viel Umsatz macht das 1,3-Millionen-Kunden-Fintech Bonify

Exklusiv: Im vergangenen Sommer legten die Geldgeber bei Bonify noch einmal nach, das Bonitäts-Startup kann mittlerweile hohe Nutzerzahlen vorweisen. Doch wie gut läuft das Geschäft? Ein neuer Bericht gibt Auskunft.

In den Top-5 der kundenreichsten deutschen Finanz-Startups befindet sich ein Anbieter, den viele bislang nicht auf dem Schirm hatten: das Berliner Bonitäts-Fintech Bonify. Doch was macht es eigentlich genau? Wie funktioniert das Geschäftsmodell? Und: Gibt es von Bonify eigentlich handfeste Zahlen? Seit kurzem ist dies der Fall.

Was war bislang bekannt über Bonify?

Ansässig ist Bonify in Berlin, es wurde 2015 von früheren McKinsey- und Zalando-Mitarbeitern gegründet. Eigenen Angaben zufolge hat es inzwischen 1,3 Millionen Nutzer und ist damit – jedenfalls gemessen an ebenjenen Nutzern – das viertgrößte deutsche Fintech, siehe das Finanz-Szene-Ranking aus dem Januar.

Wie funktioniert das Geschäftsmodell?

Bei Bonify können sich Nutzer – nach einer Registrierung – kostenlos über ihre eigene Bonität informieren und Tools wie die sogenannte „Mieterauskunft“ nutzen. Durch TV-Werbung, Google-Anzeigen und geschicktes SEO-Marketing (sprich: durch die Produktion von Artikeln, die rund um das Thema Kreditwürdigkeit kreisen und dann bei Google-Suchen vergleichsweise hoch aufgelistet werden) hat es das Startup geschafft, in vergleichsweise kurzer Zeit und mit vergleichsweise bescheidenem Aufwand eine erstaunliche hohe Nutzerbasis zu generieren.

Geld verdient das Fintech, sobald die Nutzer über die kostenlosen Funktionen hinaus via Bonify auch Produkte abschließen – und zwar in erster Linie Konsumentenkredite. In diesen Fällen erhält das Fintech von den Anbietern eine Vermittlungsprovision. Dabei kooperiert Bonify mit den kreditgebenden Banken allerdings nicht direkt, sondern indirekt, mit Vergleichsportalen wie Smava oder Finanzcheck als dazwischen geschaltete Stufe.

Wie sehen die Zahlen aus?

Auf welche Zahlen gilt es zu achten?

Auf die oberste, die Provisionserträge, die 2019 mit rund 750.000 Euro zwar fast drei Mal so hoch wie noch im Vorjahr ausfielen, aber absolut betrachtet noch recht bescheiden sind.

In einer Pressemitteilung im August 2020 hatte es noch geheißen: „Wir sind in den zwölf Monaten zwischen Februar 2019 und Januar 2020 um mehr als 700 Prozent gewachsen und haben siebenstellige Umsätze erwirtschaftet.“

Wenn man davon ausgeht, dass die Zahlen stimmen, so muss entweder der Januar 2020 exzeptionell gut gelaufen sein oder es wurde mit hochgerechneten Monatswerten gearbeitet.

Wie ist 2020 gelaufen?

Nicht so gut wie erhofft. Im Ausblick des 2019er-Geschäftsberichts ist für 2020 von Provisionserträgen in Höhe von 3,2 Millionen Euro die Rede – was einer Vervierfachung entsprochen hätte. Da sich der Markt für Konsumentenkredite aufgrund von Corona aber nicht so entwickelte, wie von Bonify erhofft, blieben die Erträge hinter der Zielmarke zurück – das berichtete CFO und Mitgründer Andreas Bermig im Gespräch mit Finanz-Szene.de und Finance Forward. Genauere Angaben wollte Bermig nicht machen.

Was es zu beachten gilt: Im August 2020 hatte Bonify ein Funding im „hohen siebenstelligen Millionenbereich“ eingeheimst. So schlecht kann 2020 daher nicht gelaufen sein. Dass Bonify bei Investoren durchaus hoch im Kurs steht, zeigt sich daran, dass die Geldgeber schon bis Ende 2019 (also vor dem jüngsten Funding) rund 16 Mio. Euro in die Kapitalrücklage eingezahlt hatten und dass die 2020er-Kapitalerhöhung mit einer vergleichsweise geringen Verwässerung der bestehenden Anteile einherging.

Stimmt das mit den 1,3 Millionen Nutzern?

Wir haben keinen Anlass, von etwas anderem auszugehen. Allerdings hätten wir schon gehofft, dass der Geschäftsbericht dazu etwas konkretere Angaben macht.

Was natürlich auffällt: Die Erträge sind gemessen an der Nutzerzahlen niedrig. Geht man der Rechnung halber von einer durchschnittlichen Nutzerzahl im Geschäftsjahr 2019 von vielleicht 400.000 bis 500.000 aus, ergeben sich Einnahmen von ein bis zwei Euro pro Nutzer. Allerdings: Das ist bei anderen, entfernt vergleichbaren Fintechs (etwa bei Dwins mit der App „Finanzguru“) ähnlich: Erst kommt der Aufbau der Nutzerbasis, dann ist eine Monetarisierung geplant.

Was den Aktivitätsgrad betrifft, gab Bermig Auskunft zu einer bislang unbekannten Zahl: Rund 50 Prozent der Nutzer würden sich – gerechnet auf einen Zeitraum von sechs Monaten – mindestens einmal bei Bonify einloggen. Nun schließt ein in diesem Sinne aktiver Nutzer natürlich nicht auch automatisch ein Produkt ab. Aber: 650.000 zumindest aktive Nutzer – das ist eine gute Basis.

Was ist für 2021 geplant?

Bonify hat kürzlich die Technologie des gescheiterten Check24-Herausforderers Joonko erworben. Damit ist es den Berlinern künftig möglich, kreditgebende Banken direkt bei sich einzubinden – also nicht mehr zwingend den Umweg zum Beispiel über Smava gehen zu müssen. Damit erweitert Bonify den eigenen Anteil an der Wertschöpfung. Viel wichtiger aber sei, so Gründer Bermig: „Damit können wir die User Experience weiter verbessern“. Die ersten Banken, die direkt angeschlossen werden, sind die SWK Bank, die Solarisbank und die Consorsbank.

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