Die Deutsche Bank an der Frankfurter Taunusanlage (Bild: Holger Link/Unsplash)

Wie Fyrst, das B2B-Fintech der Deutschen Bank, seinen Angriff plant

Mit Fyrst bastelt die Deutsche Bank seit Monaten an einer Konkurrenz für B2B-Fintechs wie Penta oder Holvi. Jetzt beginnt die Öffentlichkeitsarbeit des neuen Players – ganz bewusst, ohne die Konzernmutter dabei einzubeziehen. 

Es wirkt ein wenig so, als ob dem Deutsche-Bank-Konzern und seinem B2B-Fintech Fyrst die gemeinsame Verbindung irgendwie unangenehm wäre. Klar, wer danach sucht, findet die Hinweise, dass Fyrst zum Geschäftsbereich der Postbank gehört und formal ein Angebot der DB Privat- und Firmenkundenbank AG ist. Aber aufgedrängt wird einem die Information nicht gerade. Auf der gesamten Deutsche-Bank-Website finden sich nur vier Erwähnungen von Fyrst – jeweils in PDF-Dokumenten versteckt.

Tatsächlich ist die Trennung gewollt. Fyrst, die „digitale Bank für Gründer, Selbstständige und Freiberufler“, soll wie ein cooles, hippes Fintech wirken und nicht wie eine angeschlagene Großbank – und so Holvi, Kontist, Penta oder auch N26 Konkurrenz machen können. Im September ist das Fintech nach einem dreimonatigen Softlaunch an den Start gegangen. Seit Dezember ist das Angebot auch für juristische Personen freigeschaltet. In diesen Tagen beginnt Fyrst nun mit einer Werbeoffensive – uns lässt nach Informationen von Finance Forward die Kanäle der Konzernmutter dabei gänzlich außen vor.

Geplant sind unter anderem Anzeigen auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram, Linkedin und Xing. Seit Mitte November hat Fyrst einen eigenen Instagram-Account, bei Xing hat man sich sogar in die beliebten Newsletter eingekauft. Hinzu kommen Suchmaschinenwerbung und Advertorials bei Stern.de, Gründerszene, Deutsche Startups oder Business Punk. Auf vielen Nachrichtenseiten erscheint Bannerwerbung des Fintechs. Offline ist seit kurzem Werbung in ICEs und an Bahnhöfen der Deutschen Bahn zu sehen. Seit Ende November liegen zudem an etwa 100 Gründerzentren in Deutschland Flyer aus.

Fyrst hat „mehrere Tausend Kunden“

„Mit Fyrst wollen wir eine digitalaffine Zielgruppe erreichen, die sich sonst womöglich nicht für die dahinterstehenden Marken entschieden hätte“, hatte ein Sprecher im Juli gegenüber Business Insider erklärt. Auf diese Zielgruppe ist die Werbeoffensive ausgelegt. „Business am Zug. Bank in der Tasche“, heißt es auf Postern. In den Advertorials gibt es Tipps für Gründer und Freelancer – die geduzt werden. Man prüfe, ob man nicht auch Influencer für Fyrst gewinnen könne, heißt es aus dem Unternehmen.

Dass der Marketing-Push notwendig sein wird, zeigen auch erste Zahlen aus dem Markt, ein gutes halbes Jahr nach Bekanntwerden des Projekts. Weder Deutsche Bank noch Fyrst wollen sich zwar zu konkreten Zahlen äußern. „Wir können einen kontinuierlichen Kundenzulauf verzeichnen“, heißt es lediglich. Wie viele Kunden verzeichnet Fyrst? „Es sind bereits mehrere Tausend.“

Immerhin: Fast 5.000 App-Downloads

Aber mit dem Schätzungstool von Priori Data kann man etwas herausfinden. Demnach wurde die App von Fyrst seit Launch auf Android- und Apple-Geräten insgesamt etwa 4.600 Mal in Deutschland heruntergeladen – zuletzt mit einer leichten Steigung: Seit Anfang November kommt die App wöchentlich auf 400 bis 500 Downloads. Zum Vergleich: Holvi (seit 2015 in Deutschland aktiv) verzeichnet etwa 46.900 Downloads aus Deutschland, Penta (seit Dezember 2017 für Geschäftskunden verfügbar) kommt auf 12.800 und Kontist (seit Februar 2017 aktiv) 113.100 Downloads. N26 ist für einen Vergleich nicht sinnvoll, da die App in erster Linie Privatkunden anspricht.

Auch zur Teamgröße von Fyrst will man bei der Deutschen Bank keine konkreten Angaben machen. Dem Sprecher zufolge ist Fyrst „mit einer Handvoll Mitarbeiter“ gestartet und wird „mit wachsendem Kundenstamm systematisch ausgebaut, so dass wir bereits im letzten halben Jahr deutlich gewachsen sind“.

Auch wenn sich Startup und Konzernmutter in der Öffentlichkeitsarbeit möglichst aus dem Weg gehen – im Hintergrund wird auf Synergien gesetzt. Vor allem geht es dabei um die Infrastruktur des Kreditinstituts. „Wir haben alle Möglichkeiten einer Großbank“, heißt es von Fyrst. Ein Beispiel: der Telefonservice für Kunden. Bei dem Startup ist man sich sicher, durch die Bank im Hintergrund auch bei einer größeren Skalierung schnell telefonisch für die Kunden da sein zu können. Das kann ein lebenswichtiger Vorteil sein (bei N26 kann man ein Lied davon singen) – einer, der im Zweifel wichtiger ist als die digitale Coolness. Aber an der arbeitet Fyrst ja nun auch.