{"id":10192,"date":"2021-03-08T05:54:06","date_gmt":"2021-03-08T04:54:06","guid":{"rendered":"https:\/\/financefwd.com\/?p=10192"},"modified":"2021-03-08T09:35:52","modified_gmt":"2021-03-08T08:35:52","slug":"weltsparen-interview-greensill","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/financefwd.com\/de\/weltsparen-interview-greensill\/","title":{"rendered":"\u201eEs ist absurd, daraus ein Fintech-Problem zu machen\u201c \u2013 der Weltsparen-Gr\u00fcnder \u00fcber den Greensill-Skandal"},"content":{"rendered":"<p><em>Im Drama um die Greensill Bank gibt es nun auch Kritik an den Zinsplattformen, die hunderte Millionen Euro von Kleinanlegern an die Bremer Bank vermittelt haben. Im Interview spricht Weltsparen-Gr\u00fcnder Tamaz Georgadze \u00fcber die Vorw\u00fcrfe und die Verantwortung seines Fintechs.<\/em><\/p>\n<p>Die Zinsplattform Weltsparen geh\u00f6rt zu den zur\u00fcckhaltenden deutschen Fintech-Startups, doch seit ein paar Tagen steht die Firma hinter dem Angebot, Raisin, im Fokus der \u00d6ffentlichkeit. Hunderte Millionen Euro haben die Berliner Firma\u00a0und ihr Konkurrent Zinspilot von Kleinanlegern an die Greensill Bank vermittelt, die in einen Skandal verwickelt ist. Die Aufsichtsbeh\u00f6rde Bafin hat ein Moratorium verh\u00e4ngt, kein Geld darf die Bank mehr verlassen. Zudem ermittelt die Bremer Staatsanwaltschaft (<a href=\"https:\/\/financefwd.com\/de\/greensill-krise-zinsplattformen\/\">Finance Forward<\/a> berichtete).<\/p>\n<p>In den vergangenen Tagen kam nun auch Kritik an den Startups auf, obwohl das Geld abgesichert ist. \u201eDer Fall wirft kein gutes Licht auf einzelne Zinsplattformen\u201c, sagte etwa der Gr\u00fcnen-Politiker Danyal Bayaz dem <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/banken-versicherungen\/banken\/fintechs-zinsplattformen-geraten-im-greensill-skandal-in-die-kritik\/26975460.html?ticket=ST-12386761-STcnBXPqqx7zG4eSQlZe-ap5\">Handelsblatt<\/a>. \u201eNach Wirecard w\u00e4re das ein weiterer Schlag f\u00fcr unseren Fintech-Standort\u201c. Kleinanleger m\u00fcssten vor unseri\u00f6sen Angeboten gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n<p id=\"newsletter\">Finance Forward hat mit dem Raisin-Gr\u00fcnder Tamaz Georgadze \u00fcber die Vorw\u00fcrfe, kritische Berichte aus der Vergangenheit und m\u00f6gliche Regeln gesprochen.<\/p>\n<p><strong>Tamaz, bereits im vergangenen Sommer gab es kritische Berichte \u00fcber die Greensill Bank. Warum habt Ihr \u00fcber Eure Plattform \u201eWeltsparen.de\u201c die Kundengelder weiter dorthin geleitet?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tamaz Georgadze:<\/strong> Dahinter steht die Frage nach unserer Rolle. Wir sind als Zinsplattform nicht in der Lage, eine tiefergehende Bilanzpr\u00fcfung durchzuf\u00fchren. Wir schauen von au\u00dfen auf die Firma. Die Greensill Bank war mit rund 500 Millionen Euro Eigenkapital gemessen an Einlagen und Risiko sehr gut kapitalisiert \u2013 und sie hat profitabel gearbeitet. Selbst \u201eFinanztest\u201c hat das Institut empfohlen. Die kritischen Berichte haben wir nat\u00fcrlich wahrgenommen. Aber da ging es um Konzentrationsrisiken, nicht um Bilanzf\u00e4lschung. Und kritisch berichtet wird \u00fcber viele Banken.<\/p>\n<p><strong>Das hei\u00dft, Ihr habt als Zinsplattform keine Pr\u00fcfungs-Verantwortung?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Georgadze:<\/strong> Nat\u00fcrlich schauen wir uns die Banken an, bevor sie auf unsere Plattform kommen, beispielsweise ob sie profitabel arbeiten, wie viel Liquidit\u00e4t sie vorhalten und wie die Eigent\u00fcmerstruktur aussieht. Man muss zwischen zwei Betrachtungen unterscheiden: Erstens, welcher Schaden kann f\u00fcr unsere Kunden entstehen? Durch die gesetzliche und private Einlagensicherung waren und sind die Gelder von Privatanlegern im Fall der Bremer Greensill Bank gesichert. Und dann stellt sich zweitens die Frage: Warum haben in diesem Fall der mutma\u00dflichen Bilanzmanipulation die Sicherungsmechanismen nicht gegriffen? Sowohl der Pr\u00fcfungsverband der Banken als auch die Bafin verf\u00fcgen \u00fcber Instrumente der Kontrolle und der Sanktion. So kann die Bafin zum Beispiel die H\u00f6he der Einlagen begrenzen.<\/p>\n<p><strong>Ihr k\u00f6nntet nicht mehr tun?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Georgadze:<\/strong> Wie soll das in der Praxis funktionieren? Wenn aus dem \u201eFall Greensill\u201c jetzt ein Fintech-Fall gemacht wird, dann ist das absurd. Es ist nicht die Aufgabe der Zinsportale, die B\u00fccher zu pr\u00fcfen, das ist Aufgabe der Aufsicht und der Wirtschaftspr\u00fcfer. Wie soll eine umfangreiche Pr\u00fcfung von unserer Seite denn in der Praxis bittesch\u00f6n funktionieren? Daf\u00fcr fehlen uns nat\u00fcrlicherweise die Mittel und Instrumente. Und: F\u00fcr wen w\u00fcrde das dann noch gelten? Was ist mit Check24? Was ist mit Finanztest? Und was ist mit Google? Denn die Greensill Bank hat die Sparer ja nicht nur \u00fcber die Portale angesprochen, sondern sich im Internet auch direkt vermarktet. Wir stehen jetzt pl\u00f6tzlich im Mittelpunkt der Kritik. Dabei kamen von uns \u00fcberhaupt nur zehn bis 15 Prozent der Einlagen &#8230;<\/p>\n<p><strong>&#8230; das w\u00e4ren grob 350 Millionen bis 500 Millionen Euro &#8230;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Georgadze:<\/strong> &#8230; w\u00e4hrend der weit \u00fcberwiegende Teil des Geldes allem Anschein nach gar nicht \u00fcber Zinsportale zur Greensill Bank geflossen ist, sondern \u00fcber klassische Einlagenvermittler, die ihr Gesch\u00e4ft im Auftrag von Firmenkunden und sonstigen institutionellen Anlegern betreiben. Warum wird jetzt so getan, als sei der Sparer das Problem?<\/p>\n<p><strong>Euer Modell sieht vor, dass Anleger h\u00f6here Zinsen bekommen und es trotzdem in der Theorie kein Ausfallrisiko gibt. Widerspricht das nicht dem Grundsatz, dass mit h\u00f6heren Renditen h\u00f6here Risiken einhergehen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Georgadze:<\/strong> Man muss sich unsere Funktion noch einmal bewusst machen. Es gibt einerseits die normalen Retailbanken. Die zurzeit auf unglaublich viel Geld sitzen, das immer \u00f6fter negativ verzinst wird. Auf der anderen Seite stehen Banken, die zum Beispiel Factoring oder Immobilienfinanzierungen betreiben und die Geld brauchen und die genau solche Einlagen suchen, um sich g\u00fcnstiger refinanzieren zu k\u00f6nnen. Diese beiden Parteien verbinden wir \u00fcber unsere Plattform \u2013 und diese Funktion erkl\u00e4rt, warum Kleinanleger \u00fcber Portale wie Weltsparen h\u00f6here Zinsen erhalten als bei ihrer Hausbank. Es ist also nicht so, dass die Sparer bei uns h\u00f6here Zinsen erhalten, weil wir die Risiken an die Einlagensicherung auslagern.<\/p>\n<p><strong>Gibt es aus deiner Sicht keine Mechanismen, um nur die guten Banken auf die Plattform zu bringen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Georgadze:<\/strong> In Deutschland sind allein 1.600 Banken am Markt, in Europa rund 6.500. Die weit \u00fcberwiegende Mehrheit hat ein legitimes und solides Gesch\u00e4ftsmodell und es sind nicht alle Bilanzf\u00e4lscher und Manipulatoren. Mit ihren Leasing-, Factoring- oder Immobilien-Gesch\u00e4ften k\u00f6nnen sie teilweise gute Margen vorweisen. Das zu pr\u00fcfen, ist der Endkunde nicht in der Lage und uns als Plattform fehlen Mittel und Befugnisse daf\u00fcr.<\/p>\n<p><strong>Wie l\u00e4sst sich ein Fall wie Greensill denn aus deiner Sicht verhindern?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Georgadze:<\/strong> Bislang kennt man ja noch nicht die Hintergr\u00fcnde. Aber generell gesprochen: Betrug wird sich nicht immer verhindern lassen. Aber es gibt ja Instrumente: Sanktionsmechanismen f\u00fcr Vorst\u00e4nde. Oder einen besseren Schutz f\u00fcr Whistleblower. Denn wenn Betrug im Spiel ist, dann machen Vorst\u00e4nde die Buchungen im Zweifel nicht alle selbst, sondern da gibt es ja Mitwisser.<\/p>\n<p><strong>Welche Konsequenzen hat der Fall f\u00fcr das Image der Zinsplattformen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Georgadze:<\/strong> Das ist schwer abzusch\u00e4tzen. Unser Hauptanliegen ist es zurzeit, dort zu helfen, wo wir k\u00f6nnen. Wir haben zum Beispiel die Kunden ausf\u00fchrlich informiert. Und es gibt unz\u00e4hlige Presseanfragen. Weltsparen steht pl\u00f6tzlich im Mittelpunkt, weil wir uns zu Wort gemeldet haben. Andere Betroffene wie die Ratingagentur, andere Vermittler oder Konkurrenten von uns haben sich noch gar nicht ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p><strong>Wie reagieren die Kunden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Georgadze:<\/strong> Gerade zu Anfang der Berichterstattung haben sich viele gemeldet und gefragt, wie es jetzt weitergeht. Mittlerweile hat sich das wieder beruhigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Drama um die Greensill Bank gibt es nun auch Kritik an den Zinsplattformen, die hunderte Millionen Euro von Kleinanlegern an die Bremer Bank vermittelt haben. Im Interview spricht Weltsparen-Gr\u00fcnder Tamaz Georgadze \u00fcber die Vorw\u00fcrfe und die Verantwortung seines Fintechs. 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