Wie Robinhood ominöse Fake-Anteile von SpaceX und OpenAI vermarktet
Der US-Neobroker Robinhood lockt neue Kunden mit angeblicher Teilhabe an den Erfolgen der beiden Mega-Start-ups – über sogenannte Aktien-Token. Ein Blick in die AGB weckt jedoch Zweifel an der Seriosität der Offerte.
Robinhood-Chef Vlad Tenev (38) hatte extra das Château de La Croix des Gardes in Cannes mieten lassen, bekannt aus dem Hitchcock-Liebesthriller „Über den Dächern von Nizza“. Ganz in Weiß trat der CEO dort vergangene Woche vor der französischen Riviera auf und verkündete eine Kryptooffensive des Neobrokers. Tenev versprach neuen Kundinnen und Kunden dabei auch „Zugang zu zwei der wertvollsten Unternehmen der Welt“ – und zwar gratis. Wer sich in der Europäischen Union bei Robinhood anmelde, würde tokenisierte Aktien von der KI-Firma OpenAI und von Elon Musks (54) Raumfahrtunternehmen SpaceX im Wert von fünf Euro geschenkt bekommen.
Der Blingbling-Marketing-Stunt zeigte Wirkung. Der Börsenwert von Robinhood schoss unmittelbar um rund 9 Milliarden Dollar in die Höhe und pendelt seither um die 80-Milliarden-Marke. Tenevs ominöses Lockangebot allerdings löste Irritationen aus.
Was nach einer Sensation klingt, ist nämlich ein Fall für die Fußnoten: OpenAI und SpaceX sind gar nicht an der Börse gelistet – und geben daher auch keine Aktien an Kleinanleger raus. Entsprechend verärgert reagierte man bei OpenAI: „Bitte nehmt euch in Acht“, warnte die Firma von Sam Altman (40) beim Kurznachrichtendienst X. Man habe mit der Aktion nichts zu tun und unterstütze diese auch nicht. Und auch die europäische Finanzaufsicht ist alarmiert. Man erwarte Klarstellungen von Robinhood zur Struktur des Token-Angebots, erklärte ein Sprecher der Zentralbank in Litauen, unter deren Regime das US-Unternehmen in der EU reguliert wird.
Was steckt also wirklich hinter Tenevs angeblichem OpenAI-Geschenk an europäische Anleger und seiner Token-Strategie?