Starthelfer: UnternehmerTUM-Co-Chef Christian Mohr (Foto: [M] UnternehmerTUM)

Wie dieser Mann für Patriarchennachwuchs sorgen will

Christian Mohr ist Chef bei der Start-up-Schmiede UnternehmerTUM in München, die maßgeblich von BMW-Erbin Susanne Klatten finanziert wird. Nun will sich das Gründerzentrum mit einem neuen Programm zu Search Funds um das Nachfolgeproblem im deutschen Mittelstand kümmern.

Der „German Mittelstand“ wird international beneidet und gilt als Rückgrat der hiesigen Wirtschaft – doch immer mehr Firmen haben Probleme, geeignete Nachfolgerinnen und Nachfolger für die Chefetage zu finden. Christian Mohr (43) kennt die Thematik aus erster Hand. Auch er entstammt einer Unternehmerfamilie – und entschied sich einst gegen die Nachfolge in das Fuhrparkunternehmen seines Großvaters. Als Co-Geschäftsführer beim Münchner Gründerzentrum UnternehmerTUM, dem größten dieser Art in Europa, setzt er sich nun an anderer Stelle für einen gelingenden Generationswechsel ein.

Zusammen mit seinem Team will Mohr Studierende mit Berufserfahrung zu Unternehmern machen. Sie sollen sich künftig mit Investorengeld aus einem sogenannten Search Fund in ein mittelständisches Unternehmen einkaufen. „Entrepreneurship Through Acquisition“ (ETA) lautet das Schlagwort. Das notwendige Kapital dafür soll von Family-Offices, Wagniskapitalfirmen oder anderen Investoren kommen.

Bislang konzentrierte sich das Gründerzentrum vor allem darauf, Studierende der TU München bei der Gründung von Start-ups zu helfen. Im Umfeld der maßgeblich von BMW-Erbin Susanne Klatten (63) finanzierten Initiative entstanden Firmen wie Celonis, Flix oder Isar Aerospace. Nun will Mohr spezielle Angebote schaffen, um ETA und Search Funds populärer zu machen.

Dazu wird UnternehmerTUM ab kommendem Februar gemeinsam mit der TU München einen kuratierten MBA anbieten, der Studierenden etwa beibringen soll, wie sie geeignete Übernahmekandidaten finden, wie sie die Transaktion finanzieren und welche Fähigkeiten sie für die neue Führungsrolle im Mittelstand benötigen. „Wenn wir nur zehn Prozent der 17.000 Talente, die wir jedes Jahr in Entrepreneurship ausbilden, für das Thema ETA begeistern, wäre das ein Erfolg“, sagt Mohr im Finance-Forward-Podcast. Zudem hoffe er, dass er und sein Team dem Thema einen initialen Anschub geben können und weitere Akteure auf den Plan rufen. „So war es im Start-up-Umfeld auch.“

Search Funds erleben in Europa gerade einen Hype. Im ersten Halbjahr sind laut dem Branchenblog Search Fund News von den global 35 Search-Fund-Übernahmen 16 in Europa abgewickelt worden. Ein Grund dafür: Family-Offices und institutionelle Investoren suchen zunehmend nach risikoärmeren Anlagealternativen als sie klassische Venture-Capital-Beteiligungen in Start-ups bieten. Die Übernahme bestehender Mittelständler eröffnet da neue Perspektiven. „Bei Search Funds fange ich halt mit Cash-Flow an und nicht mit Schulden“, so Mohr. Das Momentum sei da und für den Standort Deutschland sei es ein Geschenk.

Das reine Gewinnstreben der potenziellen Neuunternehmer sieht Mohr allerdings kritisch. Es nur zu machen, weil es lukrativer und erfolgreicher sei als ein Start-up, sei der falsche Ansatz. „Das klingt zwar erst mal attraktiv und sexy, aber für mich, wenn man mal unternehmerisch draufschaut, ist das schon fast eine Unverschämtheit.“ Die oberste Priorität müsse der Erhalt und Erfolg des übernommenen Unternehmens sein. „Das Modell muss nachhaltig und langfristig gedacht werden und nicht nur kurzfristig optimiert.“

Wie UnternehmerTUM mit seinem Programm Führungskräfte für den Mittelstand begeistern will, welche Rolle die Hauptgeldgeberin Susanne Klatten dabei spielt und warum ETA-Transaktionen im Vergleich zu Start-up-Investments deutlich emotionaler ablaufen: Darüber hat Christian Mohr im Podcast mit manager-magazin-Redakteur Caspar Schlenk gesprochen.

Im Podcast „Finance Forward“ sprechen wir alle zwei Wochen mit den spannendsten Persönlichkeiten aus der neuen Finanzwelt – über Fintechs, Fonds, Krypto und Family-Offices. Sie können den Podcast über manager-magazin.de sowie auf Spotify, Apple und Deezer abonnieren.