Berliner Bezahldienst Unzer greift im Banking an
Exklusiv: Unzer erweitert seine Plattform um Bankkonten und Kreditkarten für Unternehmen – und entwickelt sich damit stärker Richtung Bank.
Der Berliner Bezahldienst Unzer greift im Banking an. Neben Kassensystemen und Onlinezahlungen möchte das Fintech künftig auch Finanzprodukte für Kleinstunternehmen anbieten. Im ersten Schritt führt es ein Geschäftskonto in Zusammenarbeit mit Pliant und eine Mastercard-Firmenkreditkarte ein, wie Finance Forward vorab erfuhr. Später sollen auch Kredite und ein Ausgabenmanagement folgen.
„Für kleine Unternehmen kann die Eröffnung eines klassischen Bankkontos ziemlich mühsam sein“, sagt Unzer-CEO Robert Bueninck (46) im Gespräch mit unserer Redaktion. Mit dem Start von „Financial Services“ erweitert Unzer seine Zahlungssoftware nun um ein Onlinebanking. Geschäftskunden können damit künftig Einnahmen und Ausgaben in einem Dashboard steuern. „Bei uns finden sie alles, was sie für ihr Geschäft brauchen“, so Bueninck.
Online-Kassierer für Unternehmen
Unzer, das 2003 unter dem Namen Heidelpay gegründet wurde, wickelt im Hintergrund Zahlungen für Händler ab. Wer online einkauft oder im Restaurant mit Karte zahlt, nutzt dabei häufig die Kassensysteme des Fintechs. Zu seinen Kunden gehören etwa die Sporthändler Bergfreunde und Decathlon sowie der Discounter Netto.
Die Berliner Firma konkurriert mit den globalen Giganten Adyen und Stripe, die jeweils auf ein Zahlungsvolumen von rund 1,3 Billionen Euro kommen. Zum Vergleich: Unzer schleust pro Jahr rund 19,6 Milliarden Euro an Transaktionsvolumen durch seine Systeme.
Erholung nach turbulenten Jahren
Die vergangenen Jahre waren bei Unzer von Umbruch geprägt. Eine zweijährige Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin dämpfte die Geschäfte zeitweise. Die Kontrolleure verhängten 2022 einen Neukunden-Stopp, nachdem sie unter anderem Mängel in der Geldwäscheprävention festgestellt hatten. Zudem band ein Eigentümerwechsel Ressourcen: 2023 verkaufte der Finanzinvestor KKR seine Anteile an eine Investorengruppe um Goldman Sachs.
Zuletzt liefen die Geschäfte des Fintechs aber wieder solide. Im Jahr 2024 generierte Unzer einen Umsatz von rund 220 Millionen Euro (+ 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) und ein Ergebnis vor Steuern von rund 32 Millionen Euro (+ 16 Prozent). Größter Wachstumsmotor war dabei das Softwaregeschäft, das um 32 Prozent zulegte.
Wette auf Embedded Finance
Der neue Geschäftsbereich „Financial Services“ soll nun zusätzliche Erlöse bringen. Unzer-Chef Bueninck nutzt dabei ein ähnliches Playbook wie der Adyen-CEO Ingo Uytdehaage (52) – und setzt auf „Embedded Finance“, also in Plattformen eingebettete Finanzdienstleistungen. Beide sind überzeugt, dass Unternehmer ihre Finanzgeschäfte künftig in derselben Businesssoftware erledigen, die sie ohnehin schon nutzen. Ob die Wette aufgeht, muss sich allerdings noch zeigen.