Die Neuzugänge Jan Plasberg, Madan Nagaldinne, Juan Bongiovanni (von links). Bild: PR

Trade Republic holt Manager von Netflix, Facebook und Klarna

Exklusiv: Der gefeierte Neobroker Trade Republic hat seine Führungsriege in den vergangenen Wochen stark ausgebaut und ein hochkarätiges Tech-Management an Bord geholt. Nur ein Neuzugang kommt aus der traditionellen Finanzbranche.

Kaum ein anderes deutsches Finanz-Startup hat dieses Wachstum erlebt: Im vergangenen April kam Trade Republic auf 150.000 Kunden – gerade einmal etwas mehr als ein Jahr später soll die Zahl bei einer Million liegen, heißt es in einem Analystenbericht.

Zurzeit wartet die Berliner Startup-Szene auf den nächsten großen Knall, eine anstehende große Finanzierungsrunde, die Trade Republic zu einem Fintech mit Milliardenbewertung machen wird – da sind sich alle Beobachter sicher.

Parallel muss es das Gründerteam um Christian Hecker weiterhin schaffen, das enorme Wachstum zu bewältigen. Es ist eine kritische Phase der Unternehmensentwicklung: Parallel zum Kundenansturm wächst auch die Firma rasant auf mittlerweile knapp 400 Mitarbeiter, die Gründer brauchen ein größeres Führungsteam. Dafür hat Trade Republic in den vergangenen Wochen kräftig nachgelegt und eine Riege an Top-Managern von Techfirmen wie Netflix, Facebook oder Klarna abgeworben.

Der neue Personalchef war früher bei Facebook und Amazon

Im C-Level der Firma verantwortet Sara Fee Kirschhausen das Marketing, sie kam vor zwei Jahren von der Beratung BCG zu Trade Republic. Nun stellt das Fintech nach Finance-Forward-Informationen einen Chief People Officer ein: Madan Nagaldinne war in den vergangenen Jahren im Personalwesen von Amazon und Facebook, bevor zu dem Proptech Compass wechselte. Er kennt schnell-wachsende Organisationen und wird bei der Berliner Firma dafür verantwortlich sein, das Mitarbeiterwachstum zu organisieren – und dabei eine Unternehmenskultur zu schaffen.

Auch für die Technologie-Entwicklung holt Trade Republic einen bekannten Namen: Jan Plasberg hat als Technikchef Sofort mit aufgebaut und war zuletzt mehrere Jahre beim Payment-Riesen Klarna, er kommt zu Trade Republic als Vice President Engineering.

Für das weitere Wachstum hat die Firma zudem Juan Bongiovanni eingestellt, „ein umkämpfter Hire“, wie aus dem Unternehmensumfeld heißt. Bongiovanni war zuletzt bei dem gehypten Video-Startup Quibi, das trotz hoher Finanzierung scheiterte. Zuvor arbeitete er viereinhalb Jahre beim Streaming-Dienst Netflix. Von dort kommt auch Thanasis Noulas, der als Director Data Science bei Trade Republic bereits im vergangenen November angefangen hat. Für die anstehende Internationalisierung ist außerdem Jean-Baptiste Kalck von der britischen Smartphonebank Revolut gekommen.

Ein Neuzugang passt nicht ins Raster

Ein Neuzugang passt derweil nicht ins Raster: Ulrich Schroeer war bislang Chief Compliance Officer bei HSBC und kommt im Gegensatz zu den anderen Managern aus dem Banking. Er fängt als „Director Compliance and Risk“ bei dem Berliner Fintech an. Die Bank gehört dabei zu den wichtigen Partnern von Trade Republic.

Auch in der zweiten Reihe baut Trade Republic sein Team merklich aus. Nina Andrea Jetter geht beispielsweise vom eigenen Investor Project A zu dem Fintech und Bryce Ferguson, der das Krypto-Produkt mitgestaltet, war zuvor Produktmanager bei der Kryptobörse Coinbase.

Was auffällt: Wie schon andere prominente Fintech-Startups etwa N26 setzt Trade Republic auf ein Management, das nicht aus der traditionellen Finanzbranche stammt. Einige wichtige neue Manager kommen aus branchenfremden Tech-Unternehmen. Außerdem hat die Trading-Firma vor allem Männer eingestellt – das Fintech will in den kommenden Monaten mehr weibliche Führungskräfte an Bord holen.

Das neue Führungsteam muss nun zusammenfinden und beweisen, dass es ohne zu große Wachstumsschmerzen durch die nächsten Monate kommt. Bis auf einen Shitstorm rund um den Gamestop-Hype (Trade Republic stoppte den Handel kurzzeitig) gab es bislang keine größeren Probleme. Gleichzeitig entwickelt sich das Produkt weiter – und neue Märkte kommen hinzu. Mit Robinhood gibt es zumindest ein US-Vorbild, dass viele Fehler gemacht hat, aus denen die Berliner Firma lernen kann.

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