KI-Wette des Trade-Republic-Investors: Nach Insolvenzanmeldung wird Sub Capitals gekauft
Exklusiv: Der Trade-Republic-Investor Sino finanzierte das KI-Fintech Sub Capitals. Im Mai musste das Team überraschend Insolvenz anmelden – nun hat es einen Käufer gefunden.
Das Münchner Start-up Sub Capitals wird von einem Investor übernommen. Die Gesellschafter des Eigenhandelsunternehmens Orca Capital AG aus Pfaffenhofen kaufen das KI-Fintech, das im Frühjahr in die Krise schlitterte. Künftig wird die Firma unter der Führung von Christoph Dichtl als eigenständige Tochter betrieben. Zur Kaufsumme machen die Beteiligten keine Angaben. Hoch dürfte der Betrag nicht ausgefallen sein. Die Orca Capital AG hatte bereits zuvor in Sub Capitals investiert, laut Handelsregister umfasste die Beteiligung zuletzt knapp 6 Prozent. Zudem war das Unternehmen erster Geschäftskunde des Start-ups.
Der Schritt kommt, nachdem Sub Capitals im Mai Insolvenz anmelden musste. „Die Vertriebszyklen im B2B-Geschäft erwiesen sich als deutlich länger als erwartet“, teilt das Unternehmen mit. Die Kapitalbeschaffung sei im schwierigen Marktumfeld gescheitert.
Gutes Timing
Das Team war 2021 mit großen Ambitionen gestartet: Nur wenige Monate nachdem das US-Start-up OpenAI mit seinem KI-Chatbot ChatGPT einen regelrechten Hype entfacht hatte, brachte Sub Capitals ein KI-Anlage-Produkt auf den Markt. Damit sollten Kleinanleger handeln können wie die Investment-Profis, beispielsweise Hedgefonds. Die Gründer nannten es „Neo-Investing“. Im Kern handelte es sich um einen sogenannten ETC („Exchange Traded Commodity“), den Sub Capitals mit der Schweizer Großbank UBS auflegte. Das Wertpapier bildete die Performance eines darunter liegenden Fonds ab, der mithilfe der KI des Fintechs aktiv gemanagt wurde. Ab 100 Euro konnten Anleger den Titel über handelsübliche Börsen erwerben.
Die KI habe sich in den Simulationen und Tests bewährt und den Markt deutlich übertroffen, hieß es zum Start. Dem Modell traute es eine Treffer-Genauigkeit von bis zu 60 Prozent zu – schon damals ein äußert ambitionierter Wert. Ihr Zertifikat würde zudem kaum mit dem Markt korrelieren und man könne so auch in schwachen Marktphasen profitabel investieren, sagten die Gründer. Gleichzeitig wollte das Start-up die Kosten konventioneller Hedgefonds unterbieten. Das neue Produkt bekam in der Branche Aufmerksamkeit. Die Sino AG, bekannter Financier hinter dem Online-Broker Trade Republic, investierte in die Firma (Finance Forward berichtete).
Neustart mit „ausgewählten Referenzkunden“
Doch die Wette ging nicht auf: Nach knapp eineinhalb Jahren lag die Rendite des Wertpapiers bei nur gut einem Prozent, wie Finance Forward berichtete. Der Tenor der Gründer änderte sich: Statt auf eine hohe Rendite abzuzielen, würde sich ihr Produkt vor allem zur Absicherung des Portfolios eignen, sagten sie dazu. Im vergangenen Jahr machten sie einen Schwenk und boten ihr Modell auch Unternehmenskunden für das Risikomanagement an. Das Wertpapier wurde derweil im Oktober aus dem Handel genommen.
Mit dem neuen Setup will Sub Capitals nun Kosten reduzieren und das Angebot für Unternehmen weiterentwickeln. Das Geschäft schrumpft das Start-up dafür stark zusammen: Die Geschäftsbeziehungen mit 15 Unternehmen, die das KI-Produkt seit 2024 nutzten, würden nach Ablauf des vereinbarten Zeitraums nicht verlängert oder seien bereits beendet, teilt Siegert mit. Stattdessen werde sich das Unternehmen auf „ausgewählte Referenzkunden auf dem Asset-Management-Bereich“ fokussieren. Ziel sei es, dass das Produkt auf einer stabilen Kostenbasis laufe. Zu einem späteren Zeitpunkt sei aber denkbar, es wieder einem breiten Nutzerkreis anzubieten, heißt es. Der Fokus liege auf „Qualität vor Quantität“. Ob die neuen Eigentümer dem B2B-Geschäft neuen Anstoß geben können, muss sich nun zeigen.
Von dem ehemals mehr als zehnköpfigen Team werden nur noch zwei der Gründer weiter beschäftigt – Marius Siegert und Marc Schmid. Franz Liebermann, der weniger in die Produkt- und KI-Weiterentwicklung eingebunden war, werde sich künftig anderen Projekten widmen, wie das Unternehmen mitteilt.