Früher Konzern, heute Startup: Gisbert Rühl. (Bild: IMAGO / agefotostock)

„Ein Deal, der müffelt“ – Deutscher Spac will Firma von eigenem Manager übernehmen

Vor einem Jahr startete der ehemalige Kloeckner-CEO Gisbert Rühl mit zwei Tech-Unternehmern einen Spac, um ein nachhaltiges Startup zu kaufen. Nach einem geplatzten Deal will die börsennotierte Firmenhülle nun die britische Firma Learnd übernehmen, die ausgerechnet von Rühls Partnern Josef Brunner und Florian Fritsch initiiert wurde. Der Deal stößt auf Kritik.

Es war Anfang des Jahres, der Spac-Boom ging schon auf sein Ende zu, da gelang einem Team noch einer der letzten aufsehenerregenden Deals: Der nachhaltige Spac GFJ ESG Acquisition I übernahm das Startup Tado aus München. Die smarten Thermostate des Unternehmens passen perfekt in eine Zeit, in der Energiesparen zum Volkssport geworden ist. Das US-Unternehmen Amazon wettete in der Vergangenheit auch auf das deutsche Startup. Für rund 450 Millionen Euro wollte der Spac Tado kaufen und damit an die Frankfurter Börse bringen. Alles sah gut aus.

Auch das Spac-Team selbst war auf dem Papier erfahren: Der ehemalige CEO des Industriekonzerns Kloeckner, Gisbert Rühl, der in der Szene bekannte Relayr-Gründer Josef Brunner und der schillerne Geldgeber Florian Fritsch starteten gemeinsam die Firmenhülle. Die sogenannten Special Purpose Acquisition Company – kurz Spacs – sind ein Weg, um Firmen schnell an die Börse zu bringen. Ein Hype, der vor allem in den vergangenen beiden Jahren riesig war.

Wenige Monate später ist die Lage anders. Der Deal mit Tado ist kürzlich geplatzt. Angeblich konnten sich Spac und Tado-Teilhaber nicht auf eine Bewertung einigen. Doch die umtriebigen Spac-Manager um Gisbert Rühl haben bereits kurze Zeit später ein neues Übernahmeziel ausgemacht: Die Firmenhülle plane nun, die eher unbekannte britische Firma Learnd für 100 Millionen Euro zu übernehmen, hieß es vor einigen Tagen.

„Auch ein Gutachten einer Kanzlei ändert nichts an dem Interessenkonflikt“

Das pikante Detail: Die Spac-Macher Brunner und Fritsch sind schon länger bei Learnd involviert. Laut dem britischen Handelsregister gehörte ihnen zusammen noch kürzlich mehr als 75 Prozent an der Firma, die sich um Gebäudemanagement kümmert. Fritsch habe in der Zwischenzeit den Spac verlassen und auch seine Anteile an Learnd komplett an Brunner verkauft, heißt es von den Sprechern von Fritsch und dem Spac. Damit würden Brunner nun mehr als drei Viertel der Firma gehören, die er nun per Spac kauft. Wegen des „potentiellen“ Interessenkonflikts solle eine „fairness opinion“ von einer Kanzlei eingeholt werden, heißt es in einer Mitteilung von GFJ ESG.

Doch das Urteil von Experten zu dem Kauf fällt deutlich aus. „Das ist ein Deal, der müffelt – auch ein Gutachten einer Kanzlei ändert nichts an dem Interessenkonflikt“, sagt Christian W. Röhl, Finanzpodcaster und Buchautor. „Es liegt nun an den Investoren, ob sie die Firma trotz dieser Konstellation gut finden – oder ihr Geld zurückfordern“, sagt Röhl. Die Spac-Geldgeber haben die Möglichkeit ihr Investment zurückzufordern, wenn ihnen die übernommenen Firma nicht gefällt. Der Falle zeige, unter welchem Druck sich die Spac-Macher befinden würden, überhaupt noch Deals zu finden, sagt Röhl. Es ist für Anleger aber auch ein schneller Weg, ihr Geld zurückzufordern. Bei einer erfolglosen Suche würde der Spac das Geld erst nach 24 Monaten ausschütten.

Streit im Hintergrund

Im Hintergrund der Diskussion über den Spac gibt es weitere Konflikte mit Florian Fritsch. Der Investor hatte sich nach einem Streit im Gründerteam aus dem Tech-Hoffnungsträger Gropyus zurückgezogen, wie Capital und Finance Forward berichtete. Parallel gibt es einen weiteren Rechtsstreit mit einem ehemaligen Geschäftspartner in München, wie das Gericht bestätigt. Auch sein Rückzug aus Learnd – und der Verkauf an den Geschäftspartner Josef Brunner soll in dem Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen stehen, heißt es aus dem Unternehmensumfeld.

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