Die meisten Linien gehen zurzeit nach unten. (Bild: Jamie Street/Unsplash)

Im Corona-Schock: So performen die Robo-Advisor in der Krise

Nach einem Rekordstart ins Jahr müssen die Robo-Advisor sich nun gegen die Corona-Krise an den Märkten behaupten. Eine neue Auswertung des Portals Brokervergleich zeigt, wie sich die Portfolios der deutschen Anbieter aktuell entwickeln. Gerade der Marktführer hat zu kämpfen.

Eine Mail gegen die Sorgen: Die deutschen Robo-Advisor verschicken zurzeit regelmäßig Nachrichten an ihre verunsicherten Kunden. „Die Märkte fallen – was tun?“ lautet etwa der Betreff einer Nachricht des Anbieters Moneyfarm. Marktführer Scalable Capital hat extra ein Video aufgenommen, um die Ängste seiner Anleger zu zerstreuen. Die Parole der Fintechs lautet: Durchhalten.

Es ist der größte Markteinbruch in der kurzen Geschichte der Anlage-Startups. Der deutsche Aktienindex Dax verlor in den vergangenen drei Wochen wegen der Corona-Krise um die 20 Prozent. Weil die Robo-Advisor ihr Geld automatisiert in verschiedene ETFs verteilen, hat sich auch der Wert der Kundenportfolios ins Minus gedreht – denn die ETFs bilden die Marktentwicklung ab.

Die Startups stehen aktuell vor zwei Herausforderungen: Zum einen müssen sie ihre Kunden davon abhalten, ihr Geld abzuziehen. Es ist ein typischer Anlegerfehler, in der Krise zu verkaufen. Zum anderen könnten sie nun zeigen, dass sie es schaffen, durch eine schlaue Portfoliozusammensetzung den Absturz abzufedern. Doch wie schlagen sie die einzelnen Fintech-Anbieter? Das Portal Brokervergleich.de hat die aktuelle Performance der einzelnen Unternehmen ausgewertet – Finance Forward liegen diese Ergebnisse vorab vor.

Abrupter Absturz

Noch im Januar vermeldete die Branche neue Rekordwerte. Marktführer Scalable gewann allein in einem Monat etwa 200 Millionen Euro an Kundeneinlagen, wie Finance Forward berichtete. Ein Grund dafür: Die Märkte entwickelten sich gut, der Dax stieg auf ein Rekordhoch. Nur einen Monat später schlug die Corona-Krise ein: Das Portfolio von Scalable Capital verlor mit 7,1 Prozent am stärksten. Cominvest, das Angebot der Comdirect, schnitt mit minus 1,5 Prozent noch am besten ab, wie die Brokervergleich-Zahlen zeigen.

Zur Erklärung: In einem Vergleich mit echtem Geld analysiert das Portal ein Beispielportfolio mit einem ungefähren Aktienanteil von 50 Prozent. Den Rest investieren die Anbieter in Anleihen. Wer als Anleger ein größeres Risiko eingehen will, wählt ein Portfolio mit einem höheren Aktienanteil. Das bringt in einem starken Markt mehr Rendite, fällt in der Krise aber auch stärker ab.

Zum Vergleich hat Brokervergleich ein Portfolio aus ETFs zusammengestellt (mit dem ETF MSCI World und Barclays Global Aggregate Bond). Dieses ist im Februar lediglich um drei Prozent gefallen. Das ETF-Beispieldepot hat damit die meisten Anbieter geschlagen.

Seit Ende Februar sind die Märkte noch stärker eingebrochen und damit auch die Portfolios der Robo-Advisor. Bei einer Betrachtung des Zeitraums 19. Februar bis 9. März zeigen sich noch stärkere Kursabfälle (am 19. Februar hatte die Weltgesundheitsorganisation ein wichtiges Statement zu Corona abgegeben).

Auch bei dieser Betrachtung schlägt sich das ETF-Vergleichsdepot mit minus 10,8 Prozent besser als die meisten Fintech-Anbieter. Schlecht steht Marktführer Scalable Capital mit Verlusten von 18,1 Prozent da. „Wir haben die Aktienquote in den vergangenen Monaten stark hochgefahren, deswegen war die Reaktion der Portfolios jetzt auch stärker“, sagt Scalable-Chef Erik Podzuweit zu Finance Forward. Zurzeit sei noch unklar, wie es weitergehe. „Wenn es wieder nach oben geht, sind wir vorn dabei.“

Die ersten Anbieter haben begonnen, ihre Anlagen umzuschichten. Solidvest hat etwa den Anteil an Cash erhöht, wie die Auswertung zeigt. Man habe Aktien aus der Travel- und Leisure-Branche verkauft, erklärt Solidvest-Chef Sebastian Hasenack auf Anfrage. Und Scalable Capital hat den Aktienanteil heruntergefahren. Es gehöre zur Strategie, nicht sofort zu verkaufen, sondern erst einmal zu warten, ob sich der Markt erhole, so Podzuweit. „Sollten die Märkte weiter nach unten gehen, reduzieren wir die Aktienquote sukzessive.“

Noch ist es zu früh, um ein Fazit für die Robo-Branche ziehen zu können. In den kommenden Wochen müssen die Anbieter ihre Kunden erst einmal weiter beruhigen. Einige Anleger würden die Krise auch als Chance sehen, berichtet Scalable: „Wir sehen derzeit eine erhöhte Neuinvestitionsrate, viele Kunden und Neukunden nutzen die Korrektur aus“, sagt Gründer Erik Podzuweit.

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