Raisin-Gründer Tamaz Georgadze und Tim Sievers, Gründer von Deposit Solutions (Bild: PR)

Organigramm: So ist der Führungszirkel von Raisin DS aufgebaut

Vor ein paar Monaten kam es zur Fusion zweier großer deutschen Fintechs. Inzwischen ist klar, wie die oberste Führungsebene von Raisin DS aufgebaut wird.

Als die beiden Fintech-Schwergewichte Raisin („Weltsparen“) und Deposit Solutions („Zinspilot“) Ende Juni ihren Zusammenschluss vermeldeten – da war das für viele Mitarbeiter ein Schock. Wir? Mit denen? Schließlich hatten sich die beiden Einlagen-Broker nie nur als Wettbewerber gewesen. Sondern eher erbitterte Rivalen. Vereint allenfalls in der gegenseitigen Abneigung. Und nun? Ein Team? 

Zwei Monate später scheint der Schock allmählich der Routine zu weichen. Während sich die Außenwelt an den neuen Firmennamen („Raisin DS“) gewöhnt hat, arbeiten die Belegschaften in Berlin (am Stammsitz von Raisin) und Hamburg (dem Stammsitz von Deposit) mit Hochdruck an der Verschmelzung. Bis Ende September soll die Integration weitgehend abgeschlossen sein, ist zu hören. Wobei die wichtigsten Entscheidungen nach Informationen von Finanz-Szene und Finance Forward bereits gefallen sind. Das Personal-Tableau nämlich – es steht.

Die meisten Schlüsselpositionen beim neuen Milliarden-Fintech hat Raisin an sich gerissen. Was per se nicht überrascht. Schließlich sind die Berliner als der eindeutig größerer Partner in die Fusion eingetreten; grob zwei Drittel der Anteile an dem fusionierten Unternehmen entfallen auf die früheren Raisin-Gesellschafter. Was aber dann doch auffällt, das ist, wie stark die Berliner ihre Vormachtstellung zur Geltung bringen. Und für Deposit kaum was übrig lassen. Zumindest auf der obersten Führungsebene.

Der neuen Geschäftsführung gehört nicht nur als CEO der bisherige Raisin-Chef Tamaz Georgadze an, sondern auch seine beiden Mitgründer: Frank Freund bleibt, was er war, nämlich CFO. Und Michael Stephan bleibt ebenfalls, was er war, nämlich COO. Die Deposit-Leute? Sucht man bislang in der neuen Führungsriege vergeblich – mal abgesehen von Gründer Tim Sievers, der allerdings erklärtermaßen nach einer Übergangsphase ausscheiden wird.

Im neuen Organigramm? Taucht Sievers angeblich schon gar nicht mehr auf. Für die Raisin-Seite wird derweil sogar noch ein vierter Geschäftsführer-Posten geschaffen. Den nämlich erhält Katharina Lueth, bislang „Vice President Europe“ und aktuell in Elternzeit. Der Aufstieg Lueths zur Managing Director sei schon länger verabredet gewesen, heißt es. Dass er nun mit der Fusion zusammenfalle, sei eher Zufall.

DS-Einfluss findet sich unterhalb der Geschäftsführung

Was fairerweise hinzugefügt werden muss: Die auf den ersten Blick mit einer gewissen Unwucht behaftete Besetzung der neuen Geschäftsführung folgt nicht nur den inneren Machtverhältnissen. Sondern auch einer gewissen Logik. Anders als bei Raisin mit seinen drei Co-Foundern gibt es bei Deposit neben Sievers (für den ein dauerhafter Verbleib bei Raisin DS offenbar nicht infrage kam) keine weiteren Gründer – und damit auch niemanden, der natürlicherweise in die Geschäftsführung gedrängt hätte. Nun hatte Sievers in Hamburg zwar eine durchaus illustre Führungsmannschaft um sich geschart. Bei der allerdings handelte es sich in der Tat um eine Mannschaft im wörtlichen Sinne. Wäre anstelle von Lueth einer der Sievers-Leute in die neue Geschäftsführung eingezogen, dann wäre statt der einen eine andere Unwucht zum Vorschein gekommen. Nur Männer. Statt nur Raisin.

Hinzu kommt: Auf der Führungsebene unterhalb der Geschäftsführung zeigt sich der Hamburger Einfluss sehr wohl. So soll Andreas Wiethölter, langjähriger Marketingchef von Deposit, den Finanz-Szene-Informationen zufolge die Leitung des B2C-Geschäfts übernehmen. Was nach unserem Verständnis konkret so viel heißen dürfte wie: Wiethölter wird sowohl die Verantwortung für das bisherige Deposit-Endkundenportal „Zinspilot“ als auch für das Raisin-Pendant „Weltsparen“ tragen. Auch eine weitere Schlüsselposition geht nach Hamburg: Für das Business Development soll Max von Bismarck verantwortlich zeichnen, bislang „Chief Business Officer“ bei Deposit. Für Verena Thaler, die bisherige „Vice President Strategy & Business Development“ bei Raisin, könnte das bedeuten, dass sie sich künftig stärker auf die Strategie und andere Grundsatzthemen fokussiert.

Überhaupt scheint es so zu sein, dass dann doch diverse Deposit-Manager an Bord bleiben – auch da, wo sich Verantwortlichkeiten scheinbar doppeln. So hätte man durchaus die Frage stellen können, wer denn künftig das US-Geschäft leitet, der Raisin-Mann Paul Knodel oder Deposits US-CEO Philipp von Girsewald. Die Antwort: Beide bleiben an Bord. Offenbar soll auf dem US-Markt zunächst eine Doppelstrategie gefahren werden, also der bisherige B2B-Ansatz von Raisin genauso weiterverfolgt werden wie der B2C-Ansatz von Deposit. Was in personeller Hinsicht bedeutet: Zwei US-Chefs statt einer.

26Eher Formsache dürfte derweil die Besetzung der Leitung der Investment-Sparte gewesen sein. Den Posten bekommt (bzw. behält) Kim Felix Fomm. Was insofern niemanden verwundert, als Deposit gar keine Investmentprodukte angeboten hat. Eine Sprecherin von Raisin DS wollte die Informationen von Finanz-Szene und Finance Forward am Mittwoch nicht kommentieren.

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