Aktien auf dem Smartphone handeln © Mark Finn / Unsplash

Killerfeature Kostenlos-Trading: Wie Robinhood und Co. das Investment Banking auf den Kopf stellen

Robinhood ist gerade die Investment-App am Markt schlechthin. Kein Wunder: Nutzer bezahlen hier keinerlei Kommission. Warum der Direktangriff auf die Vermögensverwalter und die Investmentbranche aber nur der Anfang ist.

Traden an der Börse, und das völlig ohne Kommission. Damit wirbt Robinhood – und das mit Erfolg: Bei der Zielgruppe, Millenials mit wenig Börsenerfahrung, kommt das Angebot gut an. Fünf Millionen Nutzer hat das Startup schon auf seiner Plattform, die Bewertung stieg nach der letzten Fundingrunde auf rund 5 Milliarden Dollar.

Aktienhandel für die Generation Netflix

Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die App extrem benutzerfreundlich gestaltet ist. Anstatt von Textwüsten und Tabellenmonstern, erwartet die Nutzer ein cleanes Interface. Wie wichtig Design und User Experience im Mobile Banking sind, dazu haben sich auch schon die Tomorrow-Gründer in unserem FinanceFWD-Podcast geäußert. Mit wenigen Klicks hat man Wertpapiere geshoppt und ETFs gekauft, ohne lange danach suchen zu müssen. Hat man sich registriert und in die App eingeloggt, erscheint eine Liste mit den beliebtesten Aktien wie Apple, Tesla, Netflix und sogar bekannte Kryptowährungen wie Bitcoin auf Ihrem Bildschirm. Netflix lässt grüßen.


Es scheint ganz so, als sollen Nutzer vor allem die vorgeschlagenen Aktien investieren. Klickt man auf ein Wertpapier, erhält man Informationen darüber, wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt hat, sowie einige Statistiken. Kauft man, regnet es Konfetti. Im Laufe des Tages bekommen Nutzer dann Benachrichtigungen über die Entwicklung der Aktie gepusht. Kurzum: Einmal angemeldet, unternimmt die App alles, um den User möglichst häufig traden zu lassen. ETFs oder Fonds hingegen findet man nur, wenn man händisch danach sucht.

Wie verdient eine Trading-App ohne Kommission überhaupt Geld?

Wer sich nun fragt, wie eine Trading-App ohne Kommissionsgebühren überhaupt Geld verdienen und zudem mit fünf Milliarden Dollar bewerten sein kann: Robinhood braucht letzten Endes die Millionen von Nutzern, weil das nicht eingesetzte Kapital auf den Konten der User Zinsen abwirft. Für eine Bank im Jahr 2018 kein Geschäftsmodell, für ein softwarebasiertes Startup mit Millionen von Nutzern durchaus. Zudem bietet das Startup ein Abomodell an. Damit können sich Nutzer gegen eine Gebühr Geld leihen, um mehr zu investieren, als sie eigentlich besitzen. Aus Unternehmenssicht ein genialer Move, Nutzern einen Kredit zu geben, auf dass sie noch mehr Geld auf der eigenen Plattform ausgeben.

Aus Nutzersicht gilt freilich: Wer unvorsichtig am Aktienmarkt agiert, verliert nicht nur Geld, sondern schuldet on-top noch mehr. Zudem offenbart sich ein Problem, das Sven Schmidt zuletzt auch bei Crowdfunding-Plattformen kritisiert hat: Wenn eine Plattform weniger mit der Qualität oder dem Volumen eines Deals Geld verdient, hat eine Due Diligence nicht die oberste Priorität. Ergo mangelt es unerfahrenen Anlegern mitunter an Informationen für ein gutes Investement. Der Antrieb für die Plattform ist in erster Linie, neue Nutzer auf die Plattform zu bekommen.

Auch Revolut will Online-Trading kostenlos machen

Eine Herausforderung, vor der auch Revolut steht. Die Challenger-Bank mit Sitz in London war als kostenloses Girokonto mit Mastercard gestartet, welches in verschiedenen Fremdwährungen ohne Wechselgebühren geführt werden kann. Nun will man in den kommenden vier Jahren auf rund 100 Mio. Kunden wachsen. So können Nutzer mittlerweile auch Versicherungen in der App abschließen. Und wie auch Robinhood für die USA will man künftig ebenfalls kommissionsfreies Trading anbieten. Zunächst für amerikanische Nutzer, demnächst aber auch in Europa.

Nur sei die Frage erlaubt: Ist in Zeiten von „user centricity“ eine Day-Trading-App für Anlage-Amateure der richtige und vor allem nachhaltige Weg? Unerfahrene Kunden dürften schnell erkennen, dass der einfache Zugang zum Aktienmarkt allein noch keine Garantie für schnelles Geld ist – und ihr Kapital von der Plattform nehmen. Robinhoods zweite Erlösquelle, ein monatliches Abonnement, richtet sich nach eigenen Angaben an erfahrenere Investoren. Diese haben mit „Robinhood Gold“ gegen Zahlung einer Gebühr die Möglichkeit, dass Doppelte ihrer Einlagen im Nutzerkonto in Wertpapiere auf der Plattform zu investieren. Dieses smarte Kreditmodell richtet sich freilich an eher finanzschwache Kunden, braucht also auch eine große Nutzerbasis.

Der nächste Trend im Mobile-Banking?

Unabhängig davon, ob Robinhood letztlich erfolgreich ist oder nicht, werden zunehmend auch Großinvestoren hellhörig: Vor Kurzem gab BlackRock bekannt, eine 50-Millionen-Dollar-Investmentrunde für Acorns angeführt zu haben. Eine App, mit der Benutzer automatisch Wechselgeld in ETFs investieren. Mehr als 3,3 Millionen nutzen den Service bereits. Stash, eine weitere Investment-App, die Nutzer schon ab 5 Dollar investieren lässt, verkündete im April, die 2-Millionen-Nutzermarke durchbrochen zu haben. Zuvor hatte man 37,5 Millionen Dollar unter der Leitung von Union Square Ventures eingesammelt. Und erst am Montag ging „Titan“ an den Start, welches Nutzer ab einem Invest von 1000 Euro an einer neuen Form eines Hedgefonds beteiligen will. Kurzum: Disruption im Investment Banking und der Vermögensverwaltung – wo allem Anschein nach auch Amazon künftig eine gewichtige Rolle spielen könnte – war längst überfällig. Eine ganze Riege neuer Fintechs, allen voran Robinhood, erklärt der nächsten Finanzbranche den Krieg. Nun liegt es einmal mehr an den etablierten Playern, das eigene Geschäftsmodell grundlegend zu überdenken. Denn wer bezahlt künftig noch freiwillig für einen Service, den mir die Konkurrenz kostenlos bietet?