John McAfee erfand ein Virenprogramm, das seinen Namen trägt (Bild: imago/zuma Wire)

Das millionenschwere Krypto-Abenteuer von Antiviren-Pionier John McAfee

Mit einer Pump-and-Dump-Masche soll sich Software-Entwickler John McAfee mit Helfern Millionen erschlichen haben. Dabei geht es um alte Tweets über Kryptowährungen, die auf den ersten Blick harmlos erscheinen. Was ist da los?

In Belize soll er eine Privatarmee aufgebaut haben, vor der Polizei floh er durch Südamerika und wurde verdächtigt, einen Nachbarn ermordet zu haben. Hinter Gitter brachte John McAfee all das bislang jedoch nicht.

Bekannt ist der Multimillionär für ein Virenprogramm, das er zu einer Zeit entwickelt hat, als viele Menschen noch nicht einmal wussten, dass es so etwas wie Computerviren überhaupt gibt. Mit dem Verkauf seiner gleichnamigen Firma verdiente er Millionen und macht seither Schlagzeilen als kurioser Technikguru.

Nun sind es ein paar unscheinbare, alte Tweets über Kryptowährungen, die den Software-Entwickler ins Gefängnis bringen könnten: 2017 entschloss sich McAfee, jeden Tag auf Twitter über neue Altcoins zu sprechen, also andere Kryptowährungen als Branchenprimus Bitcoin. „Diese Coins werden die Welt verändern“, schrieb er. „Du kannst diesen Wandel unterstützen.“ Das US-Justizministerium wirft ihm nun Betrug vor. Es könnte das letzte große Kapitel in einem aufregenden Leben sein, denn dem 75-Jährigen drohen bis zu 20 Jahre Haft.

McAfee empfahl verschiedene Kryptowährungen wie Reddcoin über Humaniq, Doge bis hin zu Lumen als „Coin des Tages“. Am 23. Dezember 2017 war es beispielsweise Digibyte: „Mit einer Blockchain, die vierzig Mal schneller ist als Bitcoin und einem der dezentralisiertesten Mining-Systeme der Welt – basierend auf fünf verschiedenen synergistischen Algorithmen. DGB-Anhänger nennen den Coin ,schlafender Riese‘“, schrieb er damals. So oder so ähnlich lesen sich viele seiner Empfehlungen für Kryptowährungen auf Twitter.

US-Ermittler werfen McAfee Millionen-Betrug vor

US-Ermittler werfen dem Antiviren-Pionier vor, sich mit einer Pump-and-Dump-Masche Millionen Dollar erschlichen zu haben, das Justizministerium erhob Anfang März Anklage. Demnach habe er sich zunächst mit der jeweiligen Kryptowährung eingedeckt, um dann seinen zahlreichen Followern zu empfehlen, in die Kryptowährung zu investieren. Schoss dann der Kurs in die Höhe, sollen McAfee und ein paar Helfer ihre eigenen Bestände schnell wieder mit satten Gewinnen verkauft haben. Dabei steht neben McAfee noch sein Leibwächter und Berater Jimmy Gale Watson im Fokus der Ermittlungen.

Die beiden hätten die Begeisterung der Anleger im aufstrebenden Kryptowährungsmarkt ausgenutzt, um „durch Lügen und Täuschung Millionen zu verdienen“, sagt die New Yorker Staatsanwältin Audrey Strauss. McAfee und seine Helfer sollen mit ihrer Masche demnach mehr als 13 Millionen US-Dollar eingenommen haben.

Dem FBI zufolge sollen McAfee und seine Helfer darüber hinaus Geld eingenommen haben, um ICOs bestimmter Kryptowährungen zu bewerben – ohne das entsprechend zu kennzeichnen. McAfee und Watson sind nun in insgesamt sieben Punkten angeklagt, auf die jeweils Haftstrafen von fünf bis 20 Jahren stehen, so das Justizministerium.

McAfee reagierte prompt auf die Anschuldigungen. Sein Team habe jede Empfehlung auf der Grundlage von Management, Geschäftsplänen und Potenzial bewertet, schreibt er auf Twitter. Niemand habe den Absturz des Altcoin-Marktes vorhersehen können. Auch er selbst habe in die Kryptowährungen investiert, die dann abgestürzt seien. In einem weiteren Tweet besteht er darauf, dass es keine Pump-and-Dump-Masche gegeben habe. Eine der Währungen, die er beworben habe, die Doge, habe seit seiner Empfehlung immerhin um 1.000 Prozent zugelegt und werde heute von Elon Musk empfohlen. Dessen Tweets zu dem Thema werden allerdings parallel von der US-Finanzaufsicht SEC untersucht.

McAfee twittert derzeit angeblich aus dem spanischen Gefängnis. Im Oktober wurde er in Spanien festgenommen – neben der unlauteren Werbung für Kryptowährungen wird ihm auch Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Eine Privatarmee, ein Mordfall und eine Flucht durch Südamerika

Die Empfehlungen der Kryptowährungen sind nicht der erste Anlass, zu dem McAfee in dubiose Geschäfte verstrickt zu sein scheint. Seine Biografie ähnelt einem Hollywood-Drehbuch: Eine Zeit lang lebte McAfee in Belize und soll dort eine Art Privatarmee betrieben haben, die in der Stadt eine Ausgangssperre verhängte, patrouillierte und unter anderem einen Mann folterte, der danach im Krankenhaus starb. Das zeigt ein Bericht der Dokumentarfilmerin Nanette Burstein.

Doch damit nicht genug: McAfee wurde auch mit einem Mordfall in Verbindung gebracht. Sein Nachbar soll sich mehrmals über McAfees aggressive Hunde am Strand beschwert haben. Eines Nachts wurden die Hunde vergiftet – kurz danach wurde der Nachbar tot aufgefunden, ihm wurde in den Kopf geschossen. Schnell fiel der Verdacht auf McAfee, doch als die Polizei zu ihm kam, floh er aus dem Land.

Nach einer spektakulären Flucht durch Südamerika kehrte McAfee in die USA zurück. Doch anstatt sich zurückzuziehen, suchte er weiter die Öffentlichkeit, wollte gar zwei Mal Präsidentschaftskandidat der Libertären Partei werden, zuletzt 2020.

Und auch das Gefängnis hält McAfee bislang offenbar nicht von der Öffentlichkeit fern. Selbst aus dem spanischen Gefängnis heraus sucht er Aufmerksamkeit, twittert regelmäßig aus dem Gefängnisalltag – zumindest betont er, er selbst sei es, der twittert. Mal verteidigt er sich gegen den Vorwurf des Betrugs, mal äußert er sich politisch, mal teilt er Anekdoten aus dem Alltag hinter Gittern.

Zuletzt teilte er häufiger Gedichte wie dieses: „Männer mit nichts. Nichts zu gewinnen. Nichts zu verlieren./Sie tauschen ein Hemd gegen ein Paar abgetragene Schuhe./Betteln um Gefallen. Drohen mit Vergeltung./ Eine Gesellschaft der Feindseligkeit, Langeweile und Frustration./Das ist das Gefängnis. Und es belebt die dunkle Seite der menschlichen Seele.“

Im Gefängnis könnte McAfee nun länger bleiben: Sollte er wegen Betrugs mit Kyptowährungen und Verschwörung zur Geldwäsche verurteilt werden, könnten ihm mehrere Jahre Haft und hohe Geldstrafen drohen.

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