Fondsmanager Beckers: KI könnte Branchen schneller disruptieren als gedacht
Partner-Podcast: Jan Beckers gibt Einblicke in seine Investment-Strategie. Monatlich erscheint der Beckers-Bets-Podcast bei Finance Forward. In dieser Folge bespricht der Investor, warum der Ausbau von KI zunehmend an seine Grenzen stößt und wie sich daraus aus seiner Sicht gute Investmentchancen ergeben.
Die Märkte reagieren nervös. Nach der Nominierung von Kevin Walsh als neuem Chef der US-Notenbank kam es zu Turbulenzen bei Aktien, Edelmetallen und anderen Assetklassen. Walsh gilt als Falke, als jemand, der traditionell eher für höhere Zinsen steht. Für Jan Beckers ist die Personalie trotzdem kein Grund zur Sorge – im Gegenteil.
„Wir halten das für eine gute Wahl“, sagt der Gründer von BIT Capital. Walsh habe seinen Ruf in einem völlig anderen makroökonomischen Umfeld bekommen. Entscheidend sei, dass Donald Trump ihn kaum nominiert hätte, ohne sich vorher abzusichern. „Wir gehen davon aus, dass Trump ihn nicht berufen hätte, wenn er nicht davon ausgeht, dass er mit ihm am Ende auch niedrigere Zinsen bekommen kann.“ Der Falken-Ruf könne sogar hilfreich sein: Er verschaffe Walsh Glaubwürdigkeit innerhalb der Fed, um Zinssenkungen politisch besser durchzusetzen. Für Beckers bestätigt die Entscheidung die Makrosicht von BIT Capital.
Während die Märkte noch über Geldpolitik diskutieren, sieht Beckers die eigentlichen Engpässe ganz woanders: bei Energie und Chips. Themen, die er zuletzt auch auf dem Fonds-Kongress in Mannheim betont hat. Der Ausbau von Künstlicher Intelligenz stößt seiner Meinung nach immer mehr an physische Grenzen. „Energie ist einer der Bottlenecks, um KI massiv weiter auszubauen“, sagt Beckers.
Datencenter-Betreiber unter Druck
Der Strombedarf von Rechenzentren steigt rasant, in den USA zeichnet sich bereits eine strukturelle Knappheit ab. Datacenter-Betreiber reagieren mit Notlösungen: eigene Gasturbinen, Fuel Cells, „Bring your own power“. Parallel versucht die US-Politik, das Stromnetz auszubauen und Hyperscaler stärker in die Finanzierung einzubinden. Für Beckers ist das weniger Überraschung als Bestätigung. „Das ist am Ende nur die Bestätigung einer These, die wir seit Längerem verfolgen.“
Mit der Elektrifizierung von Rechenzentren und Netzen geraten auch vorgelagerte Rohstoffe unter Druck. Knappheit treibt Preise, und genau dort entstehen aus Investorensicht Chancen. Unternehmen entlang der Energie-Wertschöpfungskette profitieren, und zwar vom Netzausbau über Turbinen bis hin zu spezialisierten Stromanbietern.
BIT Capital ist in diesem Bereich schon lange Zeit aktiv, etwa mit IREN, einem frühen Profiteur der Datacenter-Dynamik. Beckers betont allerdings, wie wichtig aktives Management sei: „Einige Unternehmen sind teurer geworden, andere hatten Rücksetzer, weil sie Kapazitätserweiterungen nicht liefern konnten.“ Das Portfolio werde entsprechend dynamisch angepasst.
Auch geografisch sieht Beckers Unterschiede. In den USA ist die Lage besonders angespannt, in Europa weniger. Nicht zuletzt, weil hier energieintensive Industrie wegfällt und Kapazitäten frei werden. Dennoch hält er eine eigene KI-Infrastruktur für strategisch notwendig. „Wir können es uns nicht erlauben, in Deutschland keine eigenen Trainingsmöglichkeiten zu haben.“ Kurzfristig gehe es hierzulande eher um Inferenz, langfristig aber um Souveränität.
Neben Energie bleibt ein zweiter Engpass bestehen: Chips. Die Fortschritte bei neuen KI-Modellen treiben den Bedarf weiter nach oben. Beckers verweist auf den eigenen Alltag bei BIT Capital. Das Research vollzieht immer mehr automatisierte Berechnungen. Hochgerechnet auf den Gesamtmarkt sei ein neuer Nachfragesprung wahrscheinlich, sagt Beckers.
Software-Anbieter kämpfen um Bewertung
An den Börsen spiegelt sich diese Realität zunehmend in einer Verschiebung wider: weg von Software-Fantasien, hin zu Infrastruktur und Hardware. Während Unternehmen wie Meta oder ASML für ihre Investitionen belohnt werden, geraten klassische Softwaretitel unter Druck. Für Beckers ist das kein Zufall. Die eigentliche Gefahr für Anleger sei nicht eine KI-Blase, sondern Disruption. „Das große Risiko ist, dass KI viel schneller und viel größer Geschäftsmodelle angreift, als viele erwarten.“
Software galt lange als berechenbar: stabile Kundenkohorten, planbares Wachstum, hohe Margen. Genau diese Sicherheit bröckelt nun. „Wenn Unsicherheit eintritt, ob diese Kohorten wirklich bestehen bleiben, sind die hohen Multiples nicht mehr gerechtfertigt.“ Die Folge sind teils dramatische Abverkäufe, auch bei Unternehmen mit soliden Zahlen. Beckers nennt einige Probleme bei Microsoft als Beispiel: langsameres Cloud-Wachstum, stärkere Konkurrenz durch eigene Chips bei Google oder ein Copilot-Produkt, das die hohe Erwartung bislang nicht erfüllt. Turnarounds seien zwar immer möglich, aber der Markt habe aktuell viele Fragezeichen.
Wichtig sei daher immer wieder eine Anpassung des Depots. Eine reine Buy-and-Hold-Strategie könne sich bei vielen Titeln schwierig gestalten. Trotzdem warnt Beckers davor, KI bei Investments pauschal zu meiden, denn in fünf bis zehn Jahren werde KI einen Großteil der Wirtschaft tiefgreifend verändern. Entscheidend sei die Auswahl. Welche Unternehmen sind Gewinner der aktuellen Phase und welche Verlierer? Aktives Management, Nähe zu Daten und schnelles Reagieren seien entscheidend.
Die Auswirkungen reichen dabei weit über die Börse hinaus. Beckers erwartet, dass 2026 erstmals deutlichere Effekte am Arbeitsmarkt sichtbar werden. Unternehmen stellten weniger Berufseinsteiger ein, denn Produktivitätsgewinne durch KI seien enorm. Ob gleichzeitig genug neue Jobs entstehen, sei offen. Sein Rat ist klar: Wer bestehen wolle, müsse KI-Kompetenz im eigenen Beruf aufbauen. Und investieren. „Wenn diese Technologie so viel menschliche Arbeit ersetzt, ist es umso wichtiger, an den Gewinnen beteiligt zu sein.“
Für Beckers ist das keine abstrakte Zukunftsdebatte, sondern eine laufende Entwicklung. „Ich kann nicht genug betonen, wie schnell sich KI gerade weiterentwickelt.“ Energie, Chips, Infrastruktur und Disruption könnten 2026 für Anleger zu einem unbequemen Jahr machen. Zumindest ein arbeitsreiches an der Börse.
Warum Jan Beckers im Jahr 2026 mit einer großen Disruption durch KI rechnet, erklärt er in der neuen Folge von Beckers Bets.
In der aktuellen Beckers-Bets-Folge sprechen Jan Beckers und Christoph Damm über …
… Energie- und Chipknappheit.
… den neuen Fed-Chef Kevin Warsh.
… die Disruption von Geschäftsmodellen durch KI.
Über den Beckers Bets-Podcast:
In Beckers Bets spricht Christoph Damm mit Jan Beckers, dem CIO und Gründer von BIT Capital. Jan ist der aktuell erfolgreichste Assetmanager Europas. Monatlich teilt er seine Meinung über die besten Investmentstrategien und wichtigsten Themen, die die Märkte dieser Welt bewegen. Dieser Podcast liefert euch Insights über Aktien, Kryptos und die aktuellen Megatrends der Investment-Welt.
Anmerkung: Der Podcast ist eine Produktion der Podstars GmbH. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei den Podstars sowie beim Host Christoph Damm. Die Bit Capital GmbH ist Presenting Partner des Podcasts.