Die Flex-Payment-Gründer Aimé Ndayisaba und Cemil Arslan (von links). Bild: PR

Factoring-Startup Flex Payment muss Insolvenz anmelden

Exklusiv: Flex Payment geriet in den vergangenen Monaten in eine Krise: Durch Corona ist die Nachfrage eingebrochen. Doch der Hamburger Factoring-Anbieter und sein Insolvenzverwalter verhandeln weiterhin mit Investoren. Wie stehen die Chancen? 

Die Geschichte des Hamburger Fintechs Flex Payment war über Jahre eine der weniger bekannten Erfolgsgeschichten. Aus dem Studium heraus bauten Cemil Arslan und Aimé Ndayisaba einen Factoring-Anbieter auf. Arslan hatte als Freelancer in einer Marketing-Agentur gearbeitet – und wusste, wie sich anfühlt, wenn Rechnungen nicht bezahlt werden. Über das Factoring-Portal konnten kleine Unternehmen und Selbstständige ihre Rechnungen vorfinanzieren lassen – sie mussten nicht warten, bis ihre Auftraggeber bezahlen.

Die beiden Gründer waren am Markt, bevor der große Factoring-Hype losging, in dem auch der Szene-Kopf Sebastian Diemer mit Finiata und die Berliner Firma Billie auftauchten, die jeweils große Finanzierungen einsammeln konnten. Flex Payment wuchs dagegen mit eigenem Geld und Darlehen. Es konnte ein solches Umsatzwachstum vorweisen, dass die Firma 2019 in den Top Ten des Gründerszene-Wachstumsrankings landete. Bis heute gehört den Gründern die Firma immer noch fast alleine, zu Hochzeiten beschäftigte Flex Payment etwa 50 Mitarbeiter. Doch dann musste das Startup in den vergangenen Monaten gleich zwei Rückschläge wegstecken. Jetzt befindet sich das Fintech in einer vorläufigen Insolvenz.

Die Kunden blieben aus

Die Coronakrise machte dem Fintech zu schaffen. „Unsere Kunden hatten weniger Aufträge, die sie vorfinanzieren konnten, deswegen ist das Geschäft eingebrochen“, sagt Arslan. Auch der Berliner Konkurrent Billie berichtete von einer ähnlichen Entwicklung. Doch die Flex-Payment-Gründer gaben nicht auf und verhandelten mit neuen Geldgebern. „Bis Ende des Jahres haben wir mit Investoren und Konkurrenten gesprochen“, erzählt der Gründer. Doch der Deal kam nicht rechtzeitig zustande – und Flex Payment musste schließlich Insolvenz anmelden.

Bis heute gebe es Interesse an der Technologie, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus. Er sei zuversichtlich, die Factoring-Software und ein kleines Kernteam in den kommenden Wochen noch zu veräußern. An den Zahlungsausfällen von den Firmen, die Geld an Flex Payment zahlen müssen, habe die klamme finanzielle Situation nicht gelegen, sondern am Kundenrückgang, bestätigt er.

„Wir sind guter Dinge, einen Käufer zu finden“

Schon in der Zeit davor musste das Unternehmen das Ende einer Kooperation auffangen. Es hatte mit der Allianz-Tochter Euler Hermes einen bekannten großen Partner, der den Ausfall von Forderungen versichert und Milliarden-Umsätze erzielt. Über eine White-Label-Plattform vertrieb die Firma auch das Produkt von Flex Payment. Doch die Kooperation wurde beendet, zu den Gründen schweigt Cemil Arslan. Nach dem Ende der Partnerschaft musste bereits ein Teil des Teams gehen.

Nun ringen die Gründer um die Zukunft ihres Unternehmen. „Wir sind guter Dinge, noch in der Phase der vorläufigen Insolvenz einen Käufer zu finden“, sagt Arslan.

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