Die Finoa-Gründer Henrik Gebbing und Christopher May (rechts). Bild: PR

Der neue Berliner Krypto-Aufsteiger: Finoa sammelt 22 Millionen Dollar ein

Als Kryptoverwahrer ist Finoa in den vergangenen Monaten stark gewachsen. Der britische Wagniskapitalgeber Balderton finanziert nun die nächste Wachstumsphase – und den Plan, eine Krypto-Bank aufzubauen.

Der Trend, den Tech-Firmen wie Tesla, Square oder Microstrategy losgetreten haben, schlug auch bei einem Berliner Fintech ein. Um einem allgemeinen Wertverfall vorzubeugen oder um zu spekulieren, stecken die Unternehmen einen Teil ihres Vermögens in Kryptowährungen. Die Bitcoin oder Ether verwahren dann spezialisierte Anbieter – und dazu zählt Finoa. „Das Interesse von Corporates auch abseits der Finanzbranche ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen“, sagt Gründer Henrik Gebbing. Rocket Internet gehört beispielsweise zu den Kunden.

Gebbing hat den Kryptoverwahrer Finoa erst vor knapp zwei Jahren zusammen mit Christopher May gegründet. Für institutionelle Anleger wie Wagniskapitalgeber, Fonds oder Unternehmen wollten sie einen sicheren Ort entwickeln, um Krypto-Anlagen zu hinterlegen. Der Hype um den Kryptomarkt und das steigende Interesse machte sich bemerkbar, die Anlagen stiegen stark – und damit auch die Umsätze von Finoa. Jeden Monat mache die Firma mit rund 30 Mitarbeitern mehr als eine Million Euro Umsatz und arbeitet zurzeit profitabel.

Auf dieses Wachstum sind auch Wagniskapitalgeber aufmerksam geworden. Der bekannte britische Investor Balderton, der schon Fintechs wie Revolut oder Nutmeg finanziert hat, ist bei der Berliner Firma eingestiegen. Darüber hatte Deutsche Startups zuerst berichtet, zu der Zeit waren die Verträge noch nicht unterschrieben. Nun spricht der Gründer über die Summe und Pläne.

Stark umkämpfte Finanzierungsrunde

Die Finanzierungsrunde war umkämpft, heißt es aus der Berliner Szene. Viele Geldgeber hätten versucht, bei Finoa einzusteigen, den Zuschlag erhielt schließlich der Balderton-Principal Colin Hanna, der auch in Berlin sitzt. Der staatliche Fonds Coparion und Signature Ventures, die bereits beteiligt waren, sind mitgezogen. Das Funding umfasst dabei 22 Millionen Dollar. Ein Großteil fließt in die Firma, ein kleinerer Teil an Altinvestoren, die ihre Anteile verkaufen, sogenannte Secondaries. Die Bewertung dürfte dabei im hohen zweistelligen Millionen-Bereich liegen, aber noch unter 100 Millionen Dollar.

Bislang fokussierte sich Finoa auf die Verwahrung der Krypto-Assets. „Wir unterstützen mittlerweile über 150 verschiedene Token, darunter zum Beispiel das Flow-Protokol, das vor allem für die gehypten NFTs verwendet wird“, sagt Gebbing. Der Fokus ihrer Dienstleistung liegt auf Sicherheit: Mit hohen technischen Standards sollen die Anlagen vor Hackerangriffen geschützt werden. Finoa setzt dabei auf sogenannte Hardware-Security-Module, die auch Banken und Kreditkartenunternehmen verwenden.

Die Kryptoassets würden in hochsicheren Rechenzentren in Deutschland gespeichert, heißt es von den Gründern. Für seinen Service erhält Finoa unter ein Prozent der aufbewahrten Summe. Wie viel Anlagewert das Unternehmen bereits für seine Kunden vorhält, will es nicht verraten. Eine weitere Einnahmequelle ist das sogenannte Staking. Dabei stellen Firmen ihre Kryptowerte zur Verfügung und erhalten eine Vergütung, Finoa verdient dabei mit.

Auf dem Weg zu einer Krypto-Bank

Künftig will das Fintech auch weitere Finanzdienstleistungen anbieten. Handelspartner wie das Bankhaus Scheich, mit dem Finoa schon zusammenarbeitet, werden dann über die eigene Plattform eingebunden. „In einigen Monaten sollen unsere Kunden direkt über uns von Fiat-Währungen in Krypto tauschen können – und auch damit handeln“, sagt Gebbing. Und die Vision ist größer: „Mit dem Geld aus der Finanzierungsrunde wollen wir uns in den kommenden Jahren zu einer Krypto-Bank weiterentwickeln“, sagt der Gründer. Bislang hat Finoa eine vorläufige Krypto-Verwahrlizenz. Die neue Lizenz wird zurzeit eingeführt.

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