Family-Offices: Das schwierige Geschäft mit den großen Familienvermögen
Die Hochvermögenden zu betreuen, gilt als die Königsdisziplin der Finanzwelt. Für die Family-Offices ist sie inzwischen aber oft wenig lukrativ. Wie die Chefs von Branchenführer HQ Trust und andere damit umgehen – ein Inside-Bericht aus einer verschwiegenen Szene.
Der Weg zum wirklich großen Geld führt an den äußersten Stadtrand Bad Homburgs. Direkt an der Grenze zu den Feldern und Wäldern des Taunushangs wird am Seedammweg das Vermögen der BMW-Erben Stefan Quandt (59) und Susanne Klatten (63; gemeinsam Reichstenliste Rang 2) betreut. Die Kinder des verstorbenen Industriemagnaten Herbert Quandt setzen dabei auf ein verschwiegenes Single-Family-Office, eine eigene Vermögensverwaltung, die nur für die Familie tätig ist. Nebenan, am Pilgerrain, lassen die Töchter von Herberts verstorbenem jüngerem Halbbruder Harald Quandt hohe Summen bei Deutschlands größtem Multi-Family-Office verwalten: HQ Trust. Unauffällige Bungalow-Architektur, dezent eingepasst in die beschauliche Umgebung gepflegter Vorstadtvillen.
Das Understatement endet hinter der Eingangstür: In der Lobby von HQ Trust machen wandgroße Porträts von Harald Quandt dem Besucher unmissverständlich klar, dass er hier nicht in der örtlichen Sparkasse gelandet ist. Als die Töchter in den 80er-Jahren ihr Familienbüro aufbauten, betraf die erste Entscheidung nicht das Kapital, sondern die schöne Kunst. „Es gab viele leere Wände, gutes Licht“, erzählte Gabriele Quandt (72) später über die ersten Einrichtungsideen. „Wir versuchten es mit Roy Lichtenstein und mit Robert Rauschenberg, wir hängten Verschiedenes zur Probe.“
Am Ende fiel die Wahl auf den Großmeister der amerikanischen Pop-Art: Andy Warhol. Der Künstler fertigte die Werke – auch Harald Quandts Frau Inge porträtierte er – exklusiv für die Familie an; im September 1981 war er sogar persönlich vor Ort. Gabriele Quandt beschreibt die Szene in einem hausinternen Band über die Kunstsammlung im Gebäude: „Es war ein unvergesslicher Sonntag: Andy spielte mit unseren Kindern, bemalte Fotokopien aus seinem Katalog mit bunten Filzstiften, trank Kaffee, wühlte in Fotokisten und diskutierte.“
„Geld verdienen ist Kunst“, lautete das Motto Andy Warhols, das nur zu gut auch zu einer Vermögensverwaltung passte. Inzwischen scheint es für die Family-Offices in Deutschland allerdings eher brotloses Künstlertum zu sein, das Kapital der Superreichen zu vermehren.
So geht jedenfalls die Klage in der verschwiegenen Szene selbst: Die deutschen Unternehmerfamilien seien im Vergleich zu ausländischen geizig, lästert ein Insider, der lieber anonym bleiben will. Ein erfahrener Family-Office-Chef klagt hinter vorgehaltener Hand: „Mit dem Geschäft lässt sich kein Geld verdienen.“ Die individuelle Betreuung Hochvermögender, in den vergangenen Jahrzehnten die Königsdisziplin der Finanzwelt, gilt inzwischen als nur noch wenig lukrativ.