Die verrückte Schatzjagd einer Frankfurter Börsenfirma
Das Kryptounternehmen Savedroid wollte sich vom Wildwest-Image der Branche abheben – doch ausgerechnet der eigene Treuhänder rückt Teile des eigenen Kryptovermögens nicht raus. Jetzt lockt CEO Yassin Hankir mit einer hohen Belohnung.
Erst neulich hat Yassin Hankir (45) wieder nachgesehen, ob noch alles da ist. Dann tippt er zwei Adressen in seinen Browser ein. Die erste führt zu einer digitalen Geldbörse namens Ethereum Classic, die zweite zu Bitcoin Segwit. Dort liegen sie: 228 Bitcoins, 7192 Ether, zusammen aktuell rund 29 Millionen Euro wert, transparent auf der Blockchain dokumentiert – und für ihn doch unerreichbar.
Seit mehr als sechs Jahren kämpft Hankir vor Gericht um das Kryptovermögen seiner Firma Savedroid. Denn der Gründer hat einen Fehler gemacht, der in seiner Branche als unverzeihlich gilt: Er hat die Schlüssel zu seinen digitalen Wallets jemand anderem anvertraut. Einem Treuhänder, der die Glaubwürdigkeit der Frankfurter Kryptofirma untermauern sollte. Doch der rückt den Millionenschatz seither nicht mehr heraus.
Jetzt will Hankir die Schatzjagd in die eigenen Hände nehmen und hat eine Belohnung ausgesetzt: 10 Bitcoin und 350 Ether, also aktuell rund 1,3 Millionen Euro, für „sachdienliche Hinweise“ rund um die mutmaßlichen Pläne des Ex-Treuhänders. „Wir hoffen auf Hinweise weiterer Zeugen, die zur Herausgabe des Kryptovermögens führen“, sagt Hankir im Gespräch mit dem manager magazin. Und da die Savedroid-Mutterfirma Advanced Bitcoin Technologies AG an der Börse notiert ist, hat CEO Hankir den Aufruf auch per Pflichtmitteilung verbreiten lassen. Eine Art Kopfgeldjagd per Ad-hoc-Meldung – nicht gerade alltäglich.