175 Millionen Euro eingesammelt: Upvest-Gründer Martin Kassing (Foto: Upvest)

Der Schattenbroker der Fintechs

Das Berliner Start-up Upvest zieht im Verborgenen die Fäden für die Brokerage-Produkte von N26 oder Revolut. Gründer Martin Kassing erklärt die Geheimnisse des Geschäfts – und warum die geplante Frühstart-Rente der Bundesregierung ein Milliarden-Push sein könnte.

Schaut man bei den Investmentangeboten europäischer Fintech-Player ins Kleingedruckte, stößt man immer häufiger auf einen Namen: Upvest. Das Unternehmen versorgt Firmen wie Revolut, N26, Vivid oder Raisin mit Zugang zu Aktien, ETFs, Krypto und Fonds für ihre Endkunden – das Modell wird auch Brokerage-as-a-Service genannt. Kürzlich landete das Team um Gründer Martin Kassing einen Coup und gewann zudem die zweitgrößte deutsche Direktbank DKB als Kunden. Pikant daran: Das Unternehmen löste den Wertpapierabwickler DWP ab, der kurz zuvor den Upvest-Konkurrenten Lemon Markets geschluckt hatte.

Einen Grund für den Erfolg sieht der Gründer im Timing: „Wir haben deutlich früher mit dem Geschäftsmodell angefangen und konnten wertvolle Kunden wie Revolut schon kurz nach dem Start gewinnen“, sagt er im FinanceFWD-Podcast. Gleichzeitig habe sein Team die Plattform technisch so gebaut, dass es das Produkt für Geschäftskunden schnell skalieren könne.

Upvest wurde 2017 von Martin Kassing, Til Rochow und Tobias Auferoth gegründet. Bis heute haben sie insgesamt 175 Millionen Euro eingesammelt, unter anderem von den Risikokapitalfonds Earlybird und HV Capital sowie dem Vermögensverwalter Blackrock. Die jüngste Finanzierungsrunde in Höhe von 100 Millionen Euro brachte mit Hedosophia und Sapphire Ventures weitere renommierte Investoren. Seit der Gründung habe sich das Geschäft jedes Jahr verdoppelt beziehungsweise verdreifacht, so Kassing. Mittlerweile wickle Upvest 120 Millionen Trades und ein Volumen von 20 Milliarden Euro pro Jahr ab.

Billionen-Push durch Altersvorsorgedepot

Den nächsten Schub erhofft er sich nun von einer politischen Initiative: der von Union und SPD geplanten Frühstart-Rente. Der Plan sieht vor, dass 6- bis 18-Jährige 10 Euro pro Monat vom Staat als Zuschuss für ein privates Aktiendepot erhalten sollen. Ein mögliches sogenanntes Altersvorsorgedepot könnte derweil einen noch größeren Boom auslösen. „Wenn man mit einer Zielrendite von 7 Prozent kalkuliert – zwischen 18 und 65 –, dann kriegst du bei Renteneintritt um die 100.000 Euro quasi geschenkt vom Staat“, rechnet er vor. Dieser Anreiz würde Millionen dazu bringen, ein Depot zu eröffnen. Intern gehe Upvest mit einem Altersvorsorgedepot davon aus, dass in den nächsten zehn bis 15 Jahren eine Billion Euro an verwaltetem Vermögen zusammenkommen könnten. Für Broker und Banken – und damit letztlich auch Upvest – wäre das ein gewaltiger Wachstumstreiber.

Ein klassisches Risiko für das Geschäft von Infrastrukturanbietern im Hintergrund ist, dass die Firmenkunden die Dienste irgendwann eigenständig anbieten. Doch Kassing gibt sich zuversichtlich: „Je mehr Volumen wir über die Plattform abwickeln, desto günstiger wird es für unsere Kunden“, sagt er. Für die meisten ergebe es aufgrund der Stückkosten keinen Sinn, eine eigene Handelsplattform aufzubauen. Zudem bringe Upvest neue Anlageprodukte, wie zuletzt ELTIF-Fonds, innerhalb von ein bis drei Monaten auf die Plattform. Die Geschäftspartner könnten diese dann direkt europaweit ihren Endkunden anbieten. „Ich glaube, das kann man relativ schwer aufholen.“

Wie er es geschafft hat, etablierte Großbanken als Kunden zu gewinnen, warum er Kunden manchmal sogar ablehnt und was er von den aufkommenden Private-Fonds-Angeboten hält, darüber hat Upvest-Gründer Martin Kassing mit Caspar Schlenk im Podcast gesprochen.

 

 

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