Der Deutschlandangriff des Wall-Street-Riesen JP Morgan
Bisher sind die meisten ausländischen Rivalen im deutschen Bankenmarkt gescheitert. In Kürze legt die größte US-Bank los: JP Morgan kommt mit der Digitalbanktochter Chase. Inside-Recherche eines ambitionierten Projekts, das kein Selbstläufer wird.
Von seinem Schreibtisch im ersten Stock des gläsernen Bürobaus in Berlin-Kreuzberg kann Daniel Llano Manibardo (51) in die Zukunft blicken – und in die Vergangenheit.
Dreht sich der Banker nach rechts, sieht er eine Reihe historischer Fotos. Sie hängen im Flur vor seiner Bürotür. Eines zeigt das erste Gebäude, in dem sein Arbeitgeber JP Morgan in den 20er-Jahren in Berlin residierte. Ein prächtiger Bau am Boulevard Unter den Linden, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.
Dreht er sich nach links, schaut er durch eine Glaswand herab auf ein offenes Großraumbüro mit langen Schreibtischreihen. Einige sind besetzt, andere warten noch darauf, dass er weitere Leute einstellt. In einer Ecke des Raums sitzen dicht gedrängt ein paar Dutzend Männer und Frauen. Sie üben, wie sie am Telefon mit Kundenanfragen umgehen werden.