Twitter-Gründer Jack Dorsey und der neue CEO Parag Agrawal (Bild: IMAGO/MediaPunch/ZUMA Wire).

CEO-Wechsel – Twitters Weg in die Kryptowelt geht weiter

CEO Jack Dorsey verlässt das von ihm gegründete soziale Netzwerk Twitter, sein Technikchef übernimmt. Parag Agrawal wird die begonnene Kryptostrategie wohl weiter vorantreiben – eines der Teams arbeitet bereits daran.

Seine Twitter-Beschreibung enthält nur ein einziges Wort: #bitcoin. Jack Dorsey, Gründer und bisheriger CEO des sozialen Netzwerks, hat nie einen Hehl aus seiner Faszination für die Kryptowelt gemacht. Im Hintergrund arbeitete ein eigenes Team daran, Anwendungsfälle für die Blockchain zu eruieren, etwa rund um NFTs. Noch stecken die Projekte in der Startphase.

Dorsey dankt nun ab und wird sich künftig auf seinen Chefposten bei der Payment-Firma Square konzentrieren, die sich besser als Twitter entwickelt hat und fast 100 Milliarden Dollar wert ist. Seine Rolle als „Parttime-CEO“ der beiden Unternehmen hatte Dorsey viel Kritik eingebracht. Die Twitter-Aktie schnellte kurzzeitig hoch, als Dorsey am Montag seinen Abschied verkündete.

Als CEO übernimmt nun der bisherige Chief Technology Officer Parag Agrawal, der seit zehn Jahren bei Twitter ist. Nicht selten kappt ein neuer Chef die Lieblingsprojekte der alten Führung, um eigene Akzente zu setzen. Im Fall von Agrawal wird er das anstehende Kryptoprojekt jedoch voraussichtlich weiter vorantreiben. Es stand bereits unter seiner Ägide – und wird von einer Kryptospezialistin aus Berlin geleitet.

Krypto-Trends sind bereits auf Twitter

Erst Anfang November ist Tess Rinearson mit dem neuen Krypto-Team richtig gestartet: Die Blockchain-Spezialistin, die zuvor für das Startup Interchain in Berlin gearbeitet hat, leitet die Twitter-Einheit und kündigte neue Konzepte an.

Twitter ergreift damit eine naheliegende Chance. Gerade Trends wie Cryptopunks oder Bored Ape Yacht Club finden auf dem sozialen Netzwerk statt. In den vergangenen Monaten haben sich Kryptofans für viel Geld digitale Kunst zum Beispiel Bilder der gelangweilten Affen als Non-Fungible Token – kurz NFT – gekauft. Auf Twitter ist diese Kunst ihr neues Profilbild. Ein Weg, um anzugeben, aber auch um seine Kunst auszustellen.

Im ersten Schritt will Twitter einführen, dass Nutzer ihre NFTs verifizieren können, wie ein Video kürzlich zeigte. Auch die eigene NFT-Sammlung lässt sich demnach im eigenen Profil anzeigen. Profilierte Twitter-Nutzer können sich Spenden bereits in Kryptowährungen zahlen lassen.

An weiteren Wallet- oder Identitäts-Funktionen arbeitet das Team bereits. Im Fokus für die Blockchain-Features sollen dabei die sogenannten Creator stehen. Menschen, die hauptberuflich informative oder lustige Inhalte erstellen.

Projekt Bluesky

Außerdem arbeiten das Krypto-Team an dem Projekt Bluesky mit, es soll das soziale Netzwerk selbst dezentral machen. Nutzer könnten dann zum Beispiel viel stärker selbst bestimmen, welche Inhalte ihnen per Algorithmus angezeigt werden – so zumindest die Vision. Wie zum Beispiel die Moderation von Inhalten in einem dezentralen Modell funktionieren könnte, ist eine der offenen Fragen.

Der Push bei dem Thema Krypto ist auch für Agrawal ein logischer Schritt, schließlich befindet sich ein Großteil der Krypto-Community auf Twitter und nutzt das Netzwerk zum Austausch. Doch die Plattform partizipierte bislang nicht an dem Boom – und die Geschäftsentwicklung blieb insgesamt hinter den Erwartungen zurück.

Einzelne Communities wie die der Krypto-Fans eignen sich dabei gut, um die angekündigten dezentralen Features zu entwickeln. Auch Discord beherbergt viele ähnliche Fangemeinschaften: So tauschen sich beispielsweise die Nutzer der digitalen Fußballsammelkarten Sorare über das Netzwerk aus. Der Gründer und CEO Jason Citron kündigte kürzlich eine Integration der Kryptowallet Metamask an. Nach viel Kritik stellte Citron die Pläne jedoch erst einmal hinten an, um sich um stärker um Betrugsprävention zu kümmern.

Der Sprung der sozialen Netzwerke in die Kryptowelt wird noch dauern. Das wurde zuletzt auch durch die heftige Kritik an Facebooks Pläne einer digitalen Währung deutlich. Libra, das heute Diem heißt, musste massiv eingedampft werden. Doch Twitter dürfte in den Bestrebungen vorne liegen – und dadurch möglicherweise einen Entwicklungssprung machen, auf den viele warten.

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