Die Unfälle werden oft teuer – auch für die Versicherungen. (Bild: Michael Jin/Unsplash)

Preiskampf und hohe Schadenskosten – das schwierige Geschäft mit Autoversicherungen

Startups wie Emil, Friday und Nexible sind vor ein paar Jahren angetreten, um neuartige Autoversicherungen online zu verkaufen. Doch wie läuft das Geschäft? Ein Blick in die Zahlen.

Im Herbst jeden Jahres geht es von neuem los: Dann kämpfen die Autoversicherungen wie wild um neue Kunden. Am 30. November ist bei vielen Policen der Stichtag, um bei seinem alten Anbieter zu kündigen. Schon jetzt beginnen erste Unternehmen, sich auf die Wechselsaison vorzubereiten. Darunter befinden sich seit einigen Jahren auch mehrere Startups und Digital-Player von großen Versicherungen.

Viele Kunden kaufen die Kfz-Versicherungen noch immer bei ihren Maklern oder über das Vergleichsportal Check24. Schon länger liefern sich die Anbieter Preiskämpfe um Neukunden. Beim Google-Marketing müssten die Anbieter im Herbst Höchstpreise zahlen, berichtete ein Check24-Manager im vergangenen Jahr. Marktführer sind weiterhin die Huk und Allianz.

Doch wie schlagen sich die neuen Versicherungsanbieter? Finance Forward hat sich die Zahlen von wichtigen Playern angeschaut.

Nexible

Bei Nexible handelt es sich um eine Digital-Tochter der Ergo, das seit drei Jahren am Markt ist. 2019 lagen die Prämien-Einnahmen der Kfz-Versicherungen bei 24,5 Millionen Euro. Gleichzeitung betrugen die Aufwendungen für die Schäden 31,5 Millionen Euro. Das heißt: Das Unternehmen hat sieben Millionen Euro für die Schäden bezahlt, als es an Prämien erhalten hat.

Die sogenannte Schadensquote liegt damit bei weit mehr als 100 Prozent. Für dieses Jahr rechnet Nexible mit einem besseren Ergebnis. „Grundsätzlich geht der Aufbau eines neuen Kfz-Kundenportfolios aber mit einer höheren Schadenquote zu Beginn einher“, teilt CEO John-Paul Pieper mit, das gehöre „zu einer sukzessiven Optimierung des Geschäftsmodells“.

Insgesamt steigerte Nexible die Beiträge um etwa die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr – auf fast 40 Millionen, es hat auch andere Policen im Angebot. Die Kfz-Versicherungen sind demnach für das Wachstum, aber auch für die Schadensquote verantwortlich, heißt es im Bericht.

Friday

Hinter Friday steht auch eine Versicherung: Die Schweizer Baloise hat das Berliner Digital-Unternehmen vor einigen Jahren ausgegründet, geführt wird es von dem Lendico-Gründer Christoph Samwer. Mehr als 100 Millionen Euro erhielt das Unternehmen im vergangenen Jahr von der Muttergesellschaft und dem TV-Sender Prosiebensat.1, der für die Anteile mit Werbemitteln bezahlte.

Das Unternehmen kommt auf eine Schadensquote knapp unter 100 Prozent, wie es mitteilt. Es wirtschaftet damit weit besser als Nexible. Das Geschäft ist noch etwas kleiner: Es kommt laut Geschäftsbericht 2019 auf umgerechnet 16 Millionen Euro Prämien. Ein kleinerer Teil entfällt dabei auf die neue Hausratversicherung, die nicht extra ausgewiesen wird. Im Vorjahr lagen die Einnahmen noch bei 7,9 Millionen Euro. Das Unternehmen zählte Ende vergangenen Jahres 50.000 Kunden. Das Wachstum wird im Frühjahr 2020 stark angezogen: Seitdem ist Friday auch auf der Vergleichsplattform Check24 vertreten – davor fand es Kunden vor allem durch Werbung im Fernsehen und im Internet. Auch Konkurrent Nexible ist bei Check24 vertreten.

Emil

Das Startup Emil startete mit einem Versicherungsprodukt, das den Preis an den Fahrstil der Personen anpassen sollte, ein sogenannter Telematik-Tarif. Gegründet wurde das Berliner Unternehmen Bastian Knutzen und Chris Maslowski. Beide starteten zuvor das damals gehypte Umzugs-Startup Movinga, das in eine schwere Krise stürzte. Für ihre Versicherung, die per App funktionierte, kooperierten sie mit der Gothaer Versicherung. Noch Ende 2019 gelang ein Deal mit Vodafone, das künftig die Versicherungen mit verkaufen sollte.

Nun hat das Startup vor wenigen Wochen die Versicherung aufgegeben, die bestehenden Kunden sollten ein Angebot der Gothaer bekommen, allerdings ohne Telematik, berichtete das Branchemagazin Procontra. Das Unternehmen wolle sich nun auf die Software-Entwicklung für Versicherungen konzentrieren, hieß es im Versicherungsboten. Für diesen Pivot hat Emil auch eine Finanzierungsrunde abgeschlossen: Neu mit dabei ist der schillernde Finanz-Manager Rolf Elgeti, wie aus dem Handelsregister hervorgeht. Beide waren kurzfristig nicht erreichbar. Die Zeichen deuten nicht darauf hin, dass Emil viele Kunden gewinnen konnte.

One

Das Insurtech One gehört zur Wefox-Gruppe und bietet erst seit Ende des vergangenen Jahres auch Autoversicherungen an. Der CEO Oliver Lang prognostiziert für dieses Jahr eine hohen Anteil an Kfz-Policen, etwa die Hälfte der 30 Millionen Euro anvisierten Einnahmen sollen dann auf Autoversicherungen entfallen, sagt er gegenüber Finance Forward, „die Kfz-Versicherungen sind unser Wachstumstreiber“. Das Unternehmen setzt vor allem auf den Maklerbetrieb.

Die Einnahmen 2019 beliefen sich auf 6,6 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte Wefox auch etwa 100 Millionen Euro von Investoren erhalten.

Fazit

Im Vergleich zu anderen Insurtech-Startups, die Haftpflicht- und Hausratversicherungen verkaufen, sind die Online-Kfz-Anbieter bereits größer (eine ausführliche Analyse gab es bei Finance Forward). Allerdings ist es wegen der großen Konkurrenz auch schwieriger, ein profitables Geschäft zu betreiben. Hinzukommt:

– Mächtige Player drängen in dieses Segment: Der Blog Teslamag hatte entdeckt, dass auch Tesla in Deutschland voraussichtlich mit einem Versicherungsprodukt für seine Fahrzeuge startet. Weil der Autohersteller die Fahrweise seine Kunden kennt, kann er bessere Preise festlegen. Möglicherweise folgen andere Autohersteller diesem Beispiel.

– Der Marktführer Huk betreibt einen erfolgreichen Direkt-Versicherer, der sich nicht einfach verdrängen lässt. Huk24, so heißt das Unternehmen, nahm im vergangenen Jahr Kfz-Prämien in Höhe von 816 Millionen Euro ein.

Zumindest in diesem Jahr können die Anbieter mit einer besseren Schadensquote rechnen, denn während der Coronazeit sind die Kunden weniger Auto gefahren – und haben aus diesem Grund auch weniger Unfälle gebaut. „Dieses Jahr ist die Schadensquote bislang sensationell, weil die Leute wenig gefahren sind“, sagt auch One-CEO Oliver Lang.

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